Autor: Hanne Landbeck

Walnüsse

Wettbewerb Food Writing Text Nr. 4 – Endstation Essen

Walnüsse spielen auch eine Rolle bei „Endstation Essen.
Beachten Sie auch unsere Themen-Specials, z.B. Food-Writing

Tagelang Walnüsse geknackt – oder: Endstation Essen

Walnüsse

Die Gänsebrust duftet verführerisch, ein wenig vergoren, wie es dieses Fleisch, meine ich, an sich hat und leicht säuerlich herb der Rotkohl, die Klöße prall nach Sättigung, die Soße würzig und ein bisschen nach was Verbotenem. Ah und Oh, lass es dir schmecken, tönt der Familienchor. Meine Frau wendet sich an meine Eltern. Vielen, vielen Dank ihr Lieben, das sieht richtig, richtig lecker aus und wie das duftet! Meine Schwester sagt, lass es dir munden.

Ich sehe es sofort vor mir: Die Lippen öffnen sich, die Speise darf rein, rauf auf die Zunge, der Gaumen will schmecken, die Zähne wollen kauen, die Muskulatur will arbeiten, die Chemie feiern – es sei denn, es läge wirklich ein ganz grober Irrtum vor. Dann müsste man sich, weil eingebaut in die Tischordnung und ohne die geringste Chance, noch rechtzeitig an den Ort zu gelangen, wo man gleichzeitig erbärmlich elend und unendlich erleichtert sein kann, ins Familienrund übergeben.

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Zwiebelkuchen

Gewinnertext von Marita Brenken – Zwiebelkuchen und die Suche nach dem Glück

Zwiebelkuchen und die Suche nach dem Glück – Text Nr. 3 zum Food-Writing

Herzlichen Glückwunsch an Marita Brenken! Die Autorin lebt in Berlin und hat sogar schon eine Anthologie mit Kurzgeschichten veröffentlicht, die direkt zu unserem Thema passt: Vom Essen und Lieben

 

Zwiebelkuchen und die Suche nach dem Glück

 

Die Tränen laufen ihr über die Wangen. Sie streckt die Arme ganz nach vorne, um so weit wie möglich von den Zwiebeln entfernt zu sein. Sie weiß, dass ihr der schweflige Stoff Isoalliin das Wasser in die Augen treibt. Ein Stoff, der die Pflanze vor Fressfeinden schützen soll, wie Ratten und Mäuse, aber keine Chance hat gegen den Menschen, seinen Hunger und seine scharfen Küchenmesser. Sie wischt sich mit dem Ärmel ihrer Bluse übers Gesicht, um besser sehen zu können. Im Fernsehen sucht Horst Lichter das Glück auf seinem Motorrad zusammen mit Hardy Krüger junior. Sie hätte auch gerne mal wieder ein wenig Glück. Besonders heute am Heiligen Abend. Sie hat schon lange nicht mehr vor Glück geweint, sie kann sich kaum mehr an das Gefühl erinnern, das irgendwo in der Körpermitte seinen Ursprung hat, und dann durch den Brustkorb hinaufschwappt, wie eine große schäumende Welle und sich aus den Augen heraus ergießt. Jetzt gerade wäre so ein Gefühlsausbruch allerdings sehr störend. Sie muss Herz und Hand unter Kontrolle halten, um die Zwiebeln in zarte dünne Ringe zu schneiden.

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Food-Writing

Essen und Schreiben: Food Writing

Themen-Special Food-Writing

Das Themen-Special Food-Writing führt rund ums Essen zu Blog- oder literarischen Texten oder zu Essays. Der Kurs dauert drei Wochen und präsentiert jeweils in einem Anregungstext das Thema, danach sind die TeilnehmerInnen aufgefordert, ihren aktuellen Text zu schreiben. Erlaubt sind dieses Mal auch Fotos und Instagram-Texte.

Ein paar Gedanken zur (literarischen) Nahrungsaufnahme:

Erbsen, Mohn und Erdbeeren

Was auf den Tisch kommt, wird gegessen – sagte mein Vater und erinnerte damit an die Hungersnöte, die auch in Deutschland geherrscht haben. Diese sind nun weitergezogen, doch ist der Hunger nur bedingt das Gegenteil des Essens. Denn ab und zu kann er die Vorstellung von Genüssen so weit treiben, dass einem förmlich das Wasser im Mund zusammen läuft (nachzulesen bei Günter Grass, Beim Häuten der Zwiebel, pp. 200ff.).

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Fladenbrot

Fatumas Fladenbrot – Short Story von Ernst Steffani

Fladenbrot ist im Speed-Writing entstanden. Ernst Steffani wurde 1985 in Hamburg geboren. Nach einigen Jahren im Ausland lebt er in Berlin, ist selbständig und versucht sich an einer Promotion über nachhaltige Geschäftsmodelle. Aber eigentlich ist er am liebsten zusammen mit seinem Notizbuch irgendwo in der Welt unterwegs.

Fladenbrot

Nora genoss diesen Moment. Die Nacht war vorbei. Der Morgen graute und sie stand erschöpft, aber seltsam erleichtert irgendwo auf einer Straße in Kreuzberg, vor einem dieser niemals schließenden, stetig vor sich hin vibrierenden Kellerclubs. Langsam fing sie an, ihre Sinne wieder wahrzunehmen. Sie schmeckte die frische Morgenluft. Sie fühlte, wie diese ihren schwitzenden Körper angenehm kühlte.  Für heute war es genug. Sie spürte bereits, dass die Wirkung des Ecstasy nachließ.

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