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Drogen

Magie ist ein rares Gut – Text von Jana Anouk Mansour

Mushrooms und andere Drogen: Lesen Sie hier den Beitrag von Jana Anouk Mansour

Jana Anouk Mansour studiert Kultur- und Sozialanthropologie in München. Der Text ist im Themen-Special Speed-Writing entstanden. Mushrooms spielen eine Rolle in dem Text.

Magie ist ein rares Gut

Semra schließt ihren Laden auf und tritt vor die Tür. Sonnenstrahlen fallen auf die alten Bücher im Schaufenster. Sie setzt sich auf die Bank, direkt neben dem Eingang draußen auf dem Bürgersteig, schließt die Augen und nippt an dem heißen Kräutertee. Sie hat schlecht geschlafen. Ihr Nachbar Marlon, der Sohn eines erfolgreichen und sehr wohlhabenden Schriftstellers, hat die ganze Nacht das Wohnhaus an einem seiner Drogenräusche teilnehmen lassen. Dann dreht er die Musik lauter als sonst und hat unüberhörbar Sex.

Marlon ist ein gut aussehender Mensch, einer dieser Schönlinge, den alle wollen und viele bekommen. Nächte wie diese sind keine Seltenheit. Gras, Alkohol, Ecstacy, Koks und MDMA. Er kann sich seinen ausgeprägten Hedonismus des Rausches leisten. Und braucht ihn auch. Während ihrer zufälligen, aber häufigen Begegnungen auf der Bank vor ihrem Laden ist ihr das schon oft aufgefallen. Er braucht den Rausch. Er braucht die Drogen und dieses Wertegerüst, dass ihm Bedeutsamkeit suggeriert, wenn er eine große goldene Uhr trägt. Und wenn ihn sein 5er BMW mit Glück erfüllt. Er braucht es. Er hat etwas zu unterdrücken, mit dem er noch nicht umgehen kann.    

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Fladenbrot

Fatumas Fladenbrot – Short Story von Ernst Steffani

Fladenbrot ist im Speed-Writing entstanden. Ernst Steffani wurde 1985 in Hamburg geboren. Nach einigen Jahren im Ausland lebt er in Berlin, ist selbständig und versucht sich an einer Promotion über nachhaltige Geschäftsmodelle. Aber eigentlich ist er am liebsten zusammen mit seinem Notizbuch irgendwo in der Welt unterwegs.

Fladenbrot

Nora genoss diesen Moment. Die Nacht war vorbei. Der Morgen graute und sie stand erschöpft, aber seltsam erleichtert irgendwo auf einer Straße in Kreuzberg, vor einem dieser niemals schließenden, stetig vor sich hin vibrierenden Kellerclubs. Langsam fing sie an, ihre Sinne wieder wahrzunehmen. Sie schmeckte die frische Morgenluft. Sie fühlte, wie diese ihren schwitzenden Körper angenehm kühlte.  Für heute war es genug. Sie spürte bereits, dass die Wirkung des Ecstasy nachließ.

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König

Heute war der Tag

König – Kurzgeschichte von Ruth Golding – entstanden im Speed-Writing

Der König war nackt

Josefa wachte mit flatterndem Herzen auf, die Bilder des Traums noch lebendig. Der König war nackt in die Stadt gekommen. Es wurde zur Jagd geblasen. Die hellen Bilder des Traumes bedrängten sie. Es war noch früh, aber sie war zu unruhig, um wieder einzuschlafen. Sie stand auf, ging in die Küche und setzte Wasser auf. Dann trat sie auf den kleinen Balkon hinaus, der nur in diesen frühen Morgenstunden etwas Sonne hatte. Noch war kaum Verkehr auf der großen Straße vor ihr. Josefa streckte sich dem Licht entgegen.

Das Flattern in der Brust

Das Flattern in der Brust hörte nicht auf. Es war noch so ruhig, dass sie die Vögel hören konnte. Ihr war, als ob ein ängstlicher Vogel in ihrer Brust singen würde. Der Wasserkocher schaltete sich mit einem Klacken aus und sie ging hinein, um ihren Tee aufzugießen. Josefa setzte sich an ihren Küchentisch, betrachtete den Teebeutel, aus dem langsam braune Schlieren in das farblose Wasser drangen. Ihre Füße wurden vom Sonnenlicht gestreift, die Luft war noch kühl. Ein Laster rumpelte auf der Straße und hielt ein paar Meter weiter beim Bäcker. Der hatte schon ab fünf Uhr morgens geöffnet und versorgte die Frühaufsteher. Brötchen zum Frühstück waren eine gute Idee. Vielleicht würden die paar Schritte auch ihre innere Unruhe vertreiben. Sie zog sich eine Jogginghose und eine Strickjacke über, ordnete schnell ihre kurzen Haare, griff nach Portemonnaie und Schlüsselbund.

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Pistole

Pistole – Short Short Story von Helga Knocke

Pistole – diese Short Short Story ist im Kurs “Speed-Writing” entstanden.
Helga Knocke, ehemalige Lehrerin, lebt in Berlin.

Pistole, das saß

Frank ist wie immer zu spät dran.
Gestern Abend hatte er mit Freunden ausgelassen gefeiert. Er hatte ihnen von seinem Plan erzählt und wie ihn im letzten Augenblick der Mut verlassen hatte. Vielleicht lag es am Alkohol oder an der Angst vor der eigenen Courage. Seine Kumpel hatten böse gestichelt … wie lange willst du noch damit warten? … du weißt doch, sie ist ein harter Brocken … du musst ihr schon die Pistole auf die Brust setzen!

Pistole, das saß, so würde es klappen!

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Sparschwein

Das Sparschwein – Short Story von Elena Fischer

“Das Sparschwein” ist im Speed-Writing entstanden
Elena Fischer lebt in Mainz, arbeitet in Heidelberg und schreibt meistens im Zug.

Das Sparschwein

Er lag in seinem Hochbett. Das Sparschwein, das der Vater ihm zum letzten Geburtstag geschenkt hatte, ruhte auf seinem Bauch und sah ihn dümmlich grinsend an. Er fuhr über das glasierte, rosa Porzellan. Es fühlte sich kalt unter seinen Händen an. Das Schwein hatte einen Schlitz am Rücken und durch diesen Schlitz fraß es. Hier einen Euro, da zwei Euro Taschengeld, und manchmal, wenn er bei seiner Oma gewesen war, einen Fünf-Euro-Schein, aber das war die Ausnahme. Seine Mutter achtete darauf, dass er das Tier regelmäßig fütterte, sie wollte keinen Ärger mit dem Vater riskieren. Das, was das Schwein verschlang, war erst einmal verloren. Es hatte zwar ein Loch im Bauch, aber das war verschlossen.

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Schokolade

Warme Schokolade – Short Story von Diana Ohmann

Warme Schokolade: Diana Ohmann aus Köln schreibt nur ab und zu in ihrer Freizeit und braucht, um sich Zeit für dieses Hobby zu nehmen, einen Push, wie das inspirierende Speedwriting-Seminar von schreibwerk berlin.

Warme Schokolade

Schokolade
Die Frau schreit so in den Hörer

„Und wieso ist es dann schon nach drei Tagen kaputt?“ Die Frau schreit so in den Hörer, dass ich das Gefühl habe, ihre Speichelfetzen treffen auf meine Ohrmuschel und ich kann nur mühsam der Versuchung widerstehen, mir mit der Schulter das Ohr abzuwischen.Schokolade

Ich stelle mir mein telefonisches Gegenüber vor: Wahrscheinlich ist sie Anfang 40, blonde Haare, sehr blond, natürlich gefärbt. Sie ist schlank, bestimmt hat sie einen von diesen Personaltrainern, der sie zur Bestform anregt. Und sie hat so einen kleinen Hund, so eine Trethupe, der auf ihrem Schoß sitzt, während sie mich anschreit und sich zu einer kleinen Kugel zusammengerollt hat, damit weniger von dieser lauten, hohen Stimme bei ihm ankommt. Ich verdrehe innerlich die Augen, vielleicht ist sie auch klein, rothaarig und pummelig, wer weiß das schon. Ist ja auch völlig egal. Schokolade

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Handschellen

Handschellen – Short Story von Andrea Gärtner

“Handschellen” entstand im Speed-Writing
Andrea Gärtner, Jahrgang 1974, lebt und arbeitet in Südniedersachen. Nebenbei schreibt und veröffentlicht sie Kurzgeschichten. 2017 erschien ihr erster Roman „Herzfehler“.

Sie war und blieb allein

„Du kannst mich doch hier nicht so liegen lassen!“

Unten fiel mit lautem Knall die Tür ins Schloss. Für einen Moment hielt sie den Atem an. Er würde zurückkommen und sie losmachen. Ganz sicher. Sie lauschte, hoffte etwas zu hören, das seine Rückkehr ankündigte. Als das Zimmer vor ihren Augen zu verschwimmen begann, atmete sie keuchend aus. Sie war und blieb allein. Um sie herum nichts als Stille. Lediglich das Ticken der Standuhr war zu hören.

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Sauerstoff-Mangel

Sauerstoff-Mangel – eine Short Story von Beate van den Berg

“Sauerstoff-Mangel” ist im  Speed-Writing-Kurs entstanden.
Die Autorin Beate van den Berg lebt in Berlin

Dass es so einfach sein würde

Dass es so einfach sein würde, hatte er nicht erwartet. Immer und immer wieder hatte er im Kopf alles durchgespielt und sich sämtliche Eventualitäten vorgestellt. Aber als die Tür sich ohne weiteres mit der kleinen Scheckkarte öffnen ließ, war er für einen kurzen Moment überrascht.

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