Königs

Des Königs Großneffen – Allerwerteste Informationen

 Beleidigungen des Königs: Dieser Text von Ruth Golding entstand im Kurs Literarisches Schreiben; Schreibanlass aus der Zeitung (fait divers).
Deshalb hier ein Link zur Nachrichtenquelle. (Man fand in Spanien im Allerwertesten einer Jesusstatue Informationen aus dem Leben des 18. Jahrhunderts. )

Des Königs Großneffen – Allerwerteste Informationen

Königs

Ein eisiger Hauch

Joaquín Mínguez, Kaplan in der Kathedrale von Burgos, war äußerst nervös. Man schrieb den dritten Monat des Jahres 1777 und der neue Erzbischof würde in wenigen Wochen zu Ostern in der Diözese eintreffen, um seinen Antrittsbesuch zu absolvieren. Ein höchst konservativer Ruf eilte dem Bischof voraus, es hieß, ein eisiger Hauch aus der finsteren Gruft der Inquisition umhülle ihn und ergreife jeden in seiner Nähe mit Grabeskälte.

Weiterlesen

Pistole

Der Besucher – Eine Short Story von Stefan Gross

„Der Besucher“ -Diese Short Story ist im Speed-Writing entstanden
Stefan Gross ist Architekt und wohnt in München

Ihr Nachtgeruch hing noch im Zimmer

Ihr Nachtgeruch hing noch im Zimmer, in der Kammer sollte ich besser sagen, denn es war ein sehr altes Haus. Sie war vor wenigen Minuten abgerauscht mit ihrem C3, metallic blau. Termin in Berlin, ich hab‘ vergessen was es genau war. Kommunikationstrainerin… wohl ein Seminar. Ich öffnete das Fenster, ein vorbildlicher Septembertag strömte herein, die Sonne ging im Osten auf, über dem Bruch lag Frühnebel. Die Verheißung der heilen Welt da draußen behütete mich wenigstens heute davor, in ihr unverschämt ungemachtes Bett zurück zu kehren und darüber zu grübeln, wie lange meine Beziehung zu dieser viel zu jungen Frau noch dauern könnte, bevor wir uns ernsthaft beschädigen würden.

Weiterlesen

Eine Reise in die Arktis – von Helga Knocke

Dieser Bericht ist in dem Online-Special „Schreib&Reise“ im Sommer 2017 entstanden und führt uns in die Arktis.
Helga Knocke, ehemalige Lehrerin, lebt in Berlin

 

Ich wollte eine Reise ans Ende der Welt  machen

Freitag, 13. Juli 2012

Liebe Vera,

sicher erinnerst du dich noch an meinen sechzigsten Geburtstag, den ich – ich war gerade mal vier Jahre in Berlin – im großen Freundeskreis gefeiert habe. Damals war es mir ein Bedürfnis, mein altes und mein neues Leben zusammenzuführen, mit Menschen, die mich in meinem Leben begleitet haben, ein großes Fest zu feiern. Als mein fünfundsechzigster anstand, war mir nach etwas ganz Anderem, ich wollte mir selbst einen Wunsch erfüllen, den ich schon eine Weile mit mir herumtrug. Ich wollte eine Reise ans Ende der Welt machen, weit in den Norden, so weit, wie man mit einem Schiff kommen kann, bis an die Packeisgrenze, ins Reich der Eisbären und Polarfüchse.

Weiterlesen

Der Charme des weißen Hauses – von Claudia Siemon

Der Charme des weißen Hauses von Claudia Siemon

Ein Haus führt Menschen zusammen: Der Text entstand im Speed-Writing als Gewinn des Wettbewerbs „Warum schreiben Sie?“
Claudia Siemon, geb. 1954, Studium Englisch und Russisch in Göttingen und Innsbruck. Lebt in Tirol. Veröffentlichte Fantasy und andere Kurzgeschichten und arbeitet als Sekretärin in Innsbruck.

Robert Brenning schaute auf den Abzug des alten Stadtfotos und verglich es mit der Szenerie um sich her. Es könnte stimmen, dachte er. Die alten Häuser rundum – nun gut, sie waren Neubauten gewichen, möglicherweise auch im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, das Bild war uralt, um 1900 herum entstanden, vielleicht noch früher; mit Mode kannte er sich nicht aus, schon gar nicht mit so altmodischer. Er musste über sein eigenes Wortspiel lachen und sah noch einmal genau hin. Doch, das Haus, das auf dem Foto eine weiße Fassade aufwies, mit dem Erker oder Balkon über der Tür, das hätte sich durchaus in dieses Haus hier ver­wandeln können; ohne Balkon zwar jetzt, aber der Erker war noch da. Und die Kirche? An Sakralbauten wird nur wenig verändert; eher detailgetreu restauriert. Er bog um die Ecke und stand vor der Seitentür der Kirche. „Ora pro nobis“, stand in großen schwarzen Lettern darüber. Er trat einen Schritt zurück. Ja, das war die Kirche, unbedingt! Die Tür, die Inschrift. Er war am Ziel. Er würde …

Weiterlesen

Augenblick

Augenblick – Eine Short Story von Andrea Gärtner

 Augenblick – Eine Short Story von Andrea Gärtner

„Augenblick“ entstand im Speed-Writing, dem Gewinner-Kurs des Wettbewerbs „Warum schreiben Sie“

Milla saß am Fenster und starrte hinaus. Das muntere Treiben ihres Lieblingscafés hatte sie ausgeblendet. Sie hielt ihren Latte zwischen den eisigen Fingern und dachte angestrengt nach. Wie hatte es nur soweit kommen können? Sie hatte sich immer für eine emanzipierte Frau gehalten, die ihr Leben klar vor sich gesehen hatte. Mit dem Volontariat im Museum war sie ihrem Traumberuf der Kuratorin wieder ein Stück nähergekommen. Und die Beziehung zu Till hatte sich anfangs auch genauso gestaltet, wie sie sich das gewünscht hatte. Anfangs. Sie trank einen Schluck Kaffee und stellte das Glas ab. Als ihr Ellenbogen die Tischkante berührte, zuckte sie schmerzhaft zusammen.

Weiterlesen

Schlafteppich

Ein merkwürdiger Tag – von Diana Ohmann

Der Schlafteppich – von Diana Ohmann

„Der Schlafteppich“ entstand im Speed-Writing – der Gewinn des Wettbewerbs „warum schreiben Sie?“

iAm sah sich um. Das konnte einfach nicht möglich sein. Absolut unmöglich. Er kniff die Augen zusammen und öffnete sie wieder, in der Hoffnung; alles würde sich nur als böser Traum entpuppen. Von dem braunen Sumpfmann, mit dem er sich die karge Schlafzelle in der Karawanserei geteilt hatte, war nur noch eine zerknüllte Decke zu sehen. Immerhin eine Decke! Denn iAms eigene Habseligkeiten hatten sich buchstäblich in Luft aufgelöst, seine Umhängetasche, seine Schuhe, sein Umhang, Proviant – alles war verschwunden. Man hatte es scheinbar sogar geschafft, ihn während der Nacht von seinem Schlafteppich zu rollen und ihm diesen unter seinem Hintern weg zu entwenden.

Weiterlesen

Cambli – Eine Story aus dem Kurs Fiction Writing

Cambli – Die Geschichte eines Landstreichers

von Gebhard Kopp (früher Banker, lebt in der Schweiz)
*Anm. d. Red.: deshalb ohne „ß“
_______________________________________

Der Text ist im Online-Kurs „Literarisches Schreiben“ entstanden
_______________________________________

Zeitungsnotiz
Am 26. Dezember ist Joseph Burky, genannt Cambli, am Ufer der Saane erfroren aufgefunden worden. Er wird auf dem Gemeinschaftsgrab des städtischen Friedhofs bestattet.

Madame de …

„Was machen Sie denn da, junger Mann?“ sagt sie indigniert. Die alte Dame in Zobel-Pelzmantel und -mütze steht vor ihm und betrachtet ihn mit scharfem Blick aus faltigen grauen Augen: Sie sieht einen stämmigen Mann – um die sechzig, mit grauem Stoppelbart, Walrossschnauz, wirren grauen Haaren unter einem verwaschenen grau-grünen Filzhut; abgetragene Hosen schlottern um seine dünnen Beine. Statt einem Gurt nutzt er eine Garbenschnur, um das kragenlose blaue Hemd in der Hose zu halten. Sein Cordkittel schlabbert um seine Hüften. All das sieht Cambli in den Augen der Zobeldame, als er aufschaut und sagt:

„Eh bien, Madame, ich untersuche den Mülleimer.“

„Das sehe ich! Was suchen Sie da?“

„Ich suche nach etwas Essbarem, Madame.“

„Essbares? Sie suchen nach Essen im Mülleimer?“

„Ja, Madame. Es wird so vieles weggeworfen, das man noch brauchen kann.“

„Widerlich! Ekelhaft! Das geht doch nicht! Aus dem Mülleimer! Kommen Sie mit, ich gebe Ihnen etwas zu essen.“

„Gerne, Madame, wenn es nicht zu weit ist.“

„Nein, es ist nicht weit, es ist die Maison de Castella, gleich da hinten.“

„Ah, gut. Dann sind Sie Madame de Castella?“

Weiterlesen

Schreiben

Warum ich schreibe – Ein Testimonial von Tonie Richter

Warum ich schreibe – von Tonie Richter

Tonie Richter, 47, lebt in Berlin. Sie studierte Jura in Hamburg und Paris, arbeitet als Juristin, ist verheiratet und hat vier Kinder. Dieser Text entstand zu Beginn des Online-Kurses Literarisches Schreiben

Schreiben in der Nacht

Meine letzte Schreibphase 2016 dauerte von Anfang Oktober bis Anfang November. Ich schrieb abends und bis  tief in die Nacht, wenn die Kinder schon schliefen und mein Mann nicht da war. Es war wie in den lange zurück liegenden Zeiten meiner Doktorarbeit, die ich in der letzten, intensiven Phase immer zwischen 19 Uhr abends (nach den Vorabendserien im Fernsehen) und drei Uhr nachts schrieb. Dann schlief ich bis mittags, kaufte ein, kochte (die erste Mahlzeit am Tag war meist das Mittagessen), las am Nachmittag Quellen und Fachtexte, ging in die Bibliothek und machte Recherchen und Notizen. Keine Textproduktion! Dann kam „Verbotene Liebe“ oder „Unsere kleine Farm“ – die Vorabendserien konnten nicht kitschig genug sein –  und dann setzte ich mich an den Schreibtisch, hörte Streichquartette und tippte. Das Beste: nachts geschriebene Texte musste ich kaum überarbeiten. Sie waren einfach gut. Versuchte ich die Textproduktion am Vormittag – gar keine Chance. Jeden Satz musste ich dreimal umdrehen.

Weiterlesen


© 2021 Dr. Hanne Landbeck schreibwerk berlin