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Storytelling in Zeiten von Pest und Cholera

Der Blog und die Zweifel

Blogs sollen Freude versprühen, sie sollen Interesse wecken. Kurze Botschaften aussprechen, knapp, knackig, die dazu animieren, die Produkte zu kaufen. Ein Blog soll Storys erzählen. Storys, in die Sie als LeserIn eingebunden werden, damit Sie uns cool, sympathisch, intelligent, up to date, kompetent und vor allem topmodern empfinden, damit Sie eine positiv emotionale Bindung zu uns aufbauen und wenn nicht jetzt, dann hoffentlich bald (mal wieder) einen Kurs buchen. Das ist sogar eine Kompetenz, die wir weiter vermitteln.

Aber: Der Zweifel blockiert die Buchstaben – der Zweifel steckt im Leben.

Ehrlich: welche positive Geschichte soll, kann ich Ihnen erzählen? Dass ich heute am Strand war? Dass die Sonne scheint? Dass die Welt sich weiterdreht? Dass es schön ist, wenn abends die Temperaturen zurückgehen, wenn die Sonne sich neigt und die Menschen nur noch als Schatten sichtbar sind? Dass dann eine andere Stimmung eintritt, etwas Unwirkliches, etwas Schwebendes, das einen aufatmen lässt – trotz all der Dinge, die da gerade in der Welt vonstatten gehen?

Man muss den eigenen Garten bestellen

Candides Reiseroute

Ich versuch’s mal mit Voltaire, der seinen Candide am Ende der Welttournee ziemlich resigniert nachhause kommen ließ. Der junge naive Mann reiste in der Annahme, wir lebten (nach Leibniz) in der „besten aller möglichen Welten“ voller Hoffnung ab. Aber am Ende sagt er: „Il faut cultiver notre jardin“. Man muss den eigenen Garten bestellen. (Das wäre schon wieder ein anderes Thema: Womit sollen wir heutzutage noch den Garten bestellen, sollten wir einen haben? Hat Voltaire an Monsanto gedacht?)

Ich tue mich sehr schwer angesichts all des Horrors in der Welt. Und diese Welt ist nun auch ganz nah bei uns – das hat offenbar die Globalisierung so an sich. Mich treibt weniger der Gedanke um, zu fragen, wer wie und weshalb welche Schuld trägt. Ich stelle die ganz banale Frage danach, wie wir uns verhalten sollen, wie wir uns verhalten können, wenn die „Menschheit den Verstand verloren“ hat, wie Astrid Lindgren das schon 1939 formulierte.

So weitermachen wie bisher? Hallo? Wir bieten die besten Schreibkurse der Welt – stimmt übrigens – und wir haben die Antwort auf alles, was uns bewegt – stimmt übrigens nicht. Wir sind modern, kultiviert, kreativ, ein bisschen verrückt, ganz bei Ihnen, immer ganz bei Ihnen – stimmt oft, aber auch nicht immer. Wir arbeiten nur in Ihrem Interesse – nun, auch das ist nicht GANZ wahr.

Ganz heiße Themen

Kommen wir zurück zu unserer Haltung, zu unserem Leben. Kann man sich noch erfreuen an einem guten Essen (ganz heißes Thema), an einem guten Wein (ganz heißes Thema), an einem gemütlichen Schäferstündchen (noch heißeres Thema), an einem Urlaub unter Palmen am, z.B. Mittelmeer (nicht nur angesichts der dort herrschenden Temperaturen – ein super heißes Thema)?
Können wir uns von dem Geschehen, das uns umgibt und minütlich in neuer Aufmachung, mit neuen (Horror)Bildern ins Haus getragen wird, lösen? Sollen wir das? Können, dürfen wir das? Was ist jetzt die moralisch richtige Haltung? Keine Tiere zu essen? (Immerhin hätten wir damit einen Teil des Konflikts mit dem Islam neutralisiert, kein Fleisch heißt schließlich auch: kein Schweinefleisch).

Wenn wir alle Trauer trügen, hätten wir auch das Burka-Problem gelöst und uns in unserer offenen multikulturellen Attitüde komplett den fremden Sitten angepasst.

 

Erotisches Schreiben

Und wir tun das Gegenteil dessen, was uns die schöne hysterische Social-Media-Welt suggeriert: Wir öffnen Räume, in denen wir „unseren Garten bestellen“, ganz im Voltaireschen Sinne, in denen wir Ihnen Möglichkeiten bieten, zu sich selbst (und zu Ihrem Schreiben) zu kommen. In Potsdam findet auf der blühenden Freundschaftsinsel immer mal wieder ein Wochenendworkshop statt: Wenn Sie sich die Zeit nehmen, wenn Sie flanieren und zugleich fabulieren wollen, dann heißen wir Sie herzlich willkommen.

Drache und Ritter

Und das ist unsere Antwort: Bestellen wir unseren Garten, indem wir uns Zeit nehmen, von der Hysterie und den Problemen der Welt Abstand zu nehmen, denn nur so können wir ihr begegnen. Indem wir (schreibend) uns darüber versichern, wer wir sind, wohin wir wollen, was wir wollen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne Stunden in Ihrer Hängematte, wo auch immer. Genießen Sie, wann, wo und was Sie können. Verzweifeln Sie nicht. Kommen Sie zu sich selbst! Und vielleicht zu uns.

Ihre Hanne Landbeck – mit Ihrem Team.

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Hanne Landbeck

Bei uns lernen Sie schreiben. Ob in Online- oder Präsenzkursen, schreibwerk berlin bietet Ihnen die Begleitung für Ihr Schreibprojekt, die Sie benötigen.

Comments (3)

  • Ich habe keinen Balkon, auf dem ich so liegen könnte. Läge ich nackt auf dem meinen, schauten mir die rumänischen(?), polnischen (?) Arbeiter vom Gerüst gegenüber auf den Bauch. Wer will das schon?
    Aber ich habe dort schöne Pflanzen, rankende Winden, Kapuzinerkresse, Geranien in allen Farben. Ich könnte dort sitzen und lesen, wenn es nicht so mörderisch heiß wäre (Bonner Südstadt 11.30 Uhr 30 Grad)
    In meinem abgedunkelten Arbeitszimmer ist es kaum kühler – der PC kühlt sich selbst, ich greife immer wieder zum Handtuch und wandere mit Heinrich Heine durch Trient, auf der “Reise von München nach Genua”.

    Dem “schreibwerk” alle guten Wünsche für neue Taten! Ich hatte ja keine Ahnung, dass ihr so gebeutelt ward mit PC-Problemen!

  • Um 8 Uhr in der Früh scheint die wohltuende Sommersonne auf meinen Balkon. Es ist ein besonderer Moment. ich lege mich auf den Liegestuhl und genieße diese einzigartige Morgensonne. und ich tu das nackt. Ich liege nackt auf dem Liegestuhl damit die Sonne auch wirklich viel Haut von mir mit ihren Strahlen liebkosen kann. Diese halbe Morgenstunde gehört mir. Das ist mein Moment in dem ich an nichts denke und nur das SEIN zelebriere. Das stärkt mich für den kommenden Tag und lässt in mir neue Impulse erblühen.

    • Um 9 Uhr in der Früh sitze ich im Labor und beneide Dich um Deinen offensichtlich uneinsehbaren Balkon. Wie wir ja wissen, beflügelt das was man NICHT sieht, die Fantasie am meisten an…
      Hier scheint auch die Sonne, aber ich befürchte, ein Nacktauftritt käme den Kollegen, obwohl sie ja schon einiges gewohnt sind, doch irgendwie merkwürdig vor. Ich verbleibe also vorsichtshalber vollständig bekleidet aber sehr inspiriert von Deinem Post in sommerlicher Hochstimmung.

      PS: Good to have you back, Schreibwerk-Berlin!

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