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Figuren entwickeln – aber wie?

Wie entwickelt man gute Figuren

Figuren für Ihre Bücher

Figuren sind für einen Roman oder eine Geschichte der Motor. Die Hauptfigur ist die Person, mit der das Publikum die Story erlebt. Und an ihr entsprechende  Gefühle entwickelt. Oder eben, falls die Charaktere zu wenig Hintergrund haben, empfindet sie als langweilig. Das sollten Sie also vermeiden. Um die Hauptfigur herum gibt es selbstverständlich weitere Personen. Haupt- und Neben-Figuren Diese machen insgesamt die Figuren-Konstellation aus. So gibt es die Gegenspieler*innen, die Helfer*innen, kurz gesagt: die Freunde und Feinde. Jeder einzelne Charakter aber bedarf der Sorgfalt und Aufmerksamkeit seines Erfinders.

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Die Figur und ihre jeweils spezifische Rolle

Jeder Charakter übernimmt eine bestimmte Rolle. Sicher kennen Sie die Aufteilung in good cop – bad cop bei Krimis. Aber auch in literarischen Erzählungen oder Romanen arbeiten Autor*innen mit der genauen Definition der jeweiligen Rolle. Die Hauptfigur und ihr Gegenspieler sind ein spannungsreiches Duo. Beispielsweise kann der Verführer (Humbert Humbert und Lolita) von der Gesellschaft in eine Notlage gebracht werden.

Meist agieren an der jeweiligen Seite der Hauptfiguren so genannte Helfer*innen. Denken Sie nur an Robinson Crusoe und Freitag.

Welche Rollen gibt es?

Wenn Sie sich mit C.G. Jungs Archetypen auseinandersetzen, erhalten Sie viele Beispiele. Da gibt es den Weisen, den Zauberer, den Krieger, den Hofnarr, den Entdecker, den Liebhaber, die Verführerin, das Mädchen, den BegleiterMutter Erde, den Patriarchen und den Beschützer. Klar, der große Psychologe stammt aus der hochpatriarchalischen Zeit. Deshalb gibt es bei ihm wenig weibliche Archetypen, die aber durchaus erweiterbar sind. So kann man die Göttin, die Amazone (das weibliche Pendant zum Krieger), die Liebende, die Zauberin, die nährende Mutter, die Heilerin, die Weise, das Orakel, die Führerin und die Meisterin (das Pendant zum Patriarchen) festlegen.

Oft entsteht durch die Verteilung der Rollen auf die einzelnen Figuren der Konflikt. Denn Konflikte entstehen zwischen den handelnden Personen. Das kennen wir aus dem Leben und übertragen es auf die Literatur.  

Vielleicht haben Sie “Das Fest” von Thomas Vinterberg (1998) gesehen? Oder “Das Familienfest” (2015) von Lars Kraume? In beiden Filmen wird der “Patriarch” inszeniert – in seiner Wut und Wucht und mit den Konsequenzen für die Kinder. Die Spannung in diesen Filmen entsteht durch die Veränderung der Rolle. Das Opfer wird, zumindest bei Vinterberg, zur machtvollen Person. Sie dreht den Spieß um.

Eine anfangs festgelegte Rolle für die Figur ist nicht statisch

Das ist ein Hinweis: Eine anfangs festgelegte Rolle ist nicht fixiert. In den Geschichten macht zumindest die Hauptperson eine Entwicklung durch. Und wird eben z.B. vom Opfer zur Aktiven. Und damit zur Mächtigen.

Geschichte der jeweiligen Person entwickeln

Doch erst einmal ist es wichtig, für Ihre geplante Geschichte die jeweiligen Personen zu entwickeln. Das beginnt eigentlich einfach: mit einem Lebenslauf. Den können Sie schreiben wie einen Steckbrief. Stellen Sie sich vor, dass Ihre Hauptfigur von der Polizei gesucht wird. Wie würden Sie sie in einem Steckbrief beschreiben? Welche unveränderlichen Kennzeichen hat sie? Welche Ereignisse haben die Person zu derjenigen gemacht, die sie zu Beginn Ihrer geplanten Handlung ist?

Schreiben Sie solche Texte in der Ich-Form. Zum Beispiel Tagebucheintragungen. Die können vor der Handlung stattfinden – und sie geben Ihnen einen Zugang zu dem Charakter. Fragen Sie sich immer: Was hat ihn/sie zu dem gemacht, was er jetzt ist? Vielleicht gab es einen gewalttätigen Vater? Vielleicht ist die Mutter früh gestorben? Die Tagebucheintragungen dienen Ihnen dazu, die Reaktion der Figur auf das jeweilige Ereignis zu bestimmen.

Machen Sie die Figur einzigartig

Machen Sie jede Figur einzigartig. Denken Sie beispielsweise an Owen Meany von John Irwing: die geringe Körpergröße, die Fistelstimme – gepaart mit der guten Seele von Owen Meany. Das ist speziell – und fördert bestimmte Reaktionen der Umwelt.

Figur

Gestalten Sie Ihre Figuren so einzigartig, wie Sie können. Übertreiben Sie ruhig. Das ist eine gute Methode, bestimmte Eigenarten hervorzuheben.

Das Umfeld der Hauptfigur

Versuchen Sie, so genau wie möglich über das Umfeld Ihrer Hauptfigur Bescheid zu wissen. Vielleicht ergibt sich – wie bei den oben genannten beiden Filmbeispielen – der Gegenspieler aus dem familiären Umfeld? Und schon haben Sie das Ursprungspaar: Herrscher/Unterdrücker und Opfer. Daraus entsteht Spannung – und Sie haben die Möglichkeit, die Veränderung der Hauptfigur zu inszenieren.

Oder Sie erfinden ein Freundespaar, das dieselbe Frau liebt? Schon machen Sie aus den ursprünglichen besten Freunden nun beste Feinde. Und geben der geliebten Frau die Möglichkeit, mit den beiden zu spielen. Wer zuletzt lacht, lacht am besten – manchmal auch bei solchen Geschichten. Vielleicht zeigt die Frau beiden den Rücken und geht mit dem bisher Naiven der Story (dem Dritten im Freundesbunde, der sich im Hintergrund hielt), eine Beziehung ein?

Denken sie in Gegensätzen

Denken Sie in Gegensätzen. Wenn eine Ihrer wichtigen Figuren durch Hochmut hervorsticht, könnte die Gegenspielerin bescheiden auftreten. Schön und hässlich, anmutig und schlechte Manieren, ehrgeizig und erfolglos – das sind Gegensatzpaare, die produktiv sind für die Entwicklung einer Figurenkonstellation. Machthungrig und menschenfreundlich gehen ebenfalls nicht gut zusammen. Aber sie ergeben in der Konstellation und verteilt auf Gegenspieler*innen produktive Konflikte.

Blick aus dem Fenster

Aber noch sind Sie vielleicht nicht so weit, sondern arbeiten erst einmal an Ihrer Hauptfigur?

Denken Sie sich aus, wo sie wohnt. Seien Sie dabei sehr genau. Irgendein Autor hat mal gesagt, er könne erst dann seinen Roman schreiben, wenn er genau wisse, in welchem Haus die Hauptfigur wohnt. Er fahre dafür bis zu drei Monaten umher. Findet er das Haus, das ihm passend erscheint, klingelt er. Und bittet die Bewohner, sich das Haus ansehen und aus dem Fenster schauen zu dürfen. Alles ist dabei wichtig: die Atmosphäre des Hauses, die Einrichtung (die er natürlich nach eigenen Bedürfnissen auswählt), die Umgebung (der sprichwörtliche Blick aus dem Fenster). Der Geruch, die Erinnerungen, die mit dem Haus und den (auch ehemaligen) Bewohner*innen verbunden sind.

Faszinierend und spannend

Achten Sie darauf, dass Sie selbst insbesondere die Hauptfigur faszinierend und spannend finden. Das ist die beste Grundlage.

Fragen Sie sich: Was will er/sie? Welche Ziele, welche Vorstellungen vom Leben, welche Wünsche hat Ihre Figur? Daraus können Sie ebenfalls Gegenspieler*innen entwickeln. Will Ihre Hauptfigur z.B. Regisseur*in werden? Dann erfinden Sie einen Vater/eine Mutter, die strikt dagegen sind. Solche Konstellationen ändern sich mit der jeweiligen Zeit, in der die Handlung spielt. Anfang des 20. Jahrhunderts waren junge Frauen, die das Abitur machen und studieren wollten, Rebellinnen. Heutzutage ist das vielleicht jemand, der sein Geschlecht wechseln möchte.

Aber auch Kleinigkeiten sind wichtig. Beispielsweise sollten Sie wissen, was Ihr Charakter gerne isst. Oder was er gar nicht mag. Und wen. Schauen Sie sich Ihre Figuren auch mal von hinten an. Ist die Frisur akkurat? Oder splissig? Wie geht sie? Wohin?

 

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Foto von Timon Studler on Unsplash