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Wissenschaft “schöner” schreiben lernen – mit unserer Hilfe

Wenn Sie Wissenschaft besser schreiben lernen möchten, sind Sie bei uns sicher richtig. Im Online-Kurs Fröhliche Wissenschaft begleiten wir Sie. Damit Sie neue Perspektiven für das Wissenschafts-Schreiben und Ihr Thema finden.

Sie begeistern sich einerseits selbst wieder für Ihr Projekt. Und übertragen andererseits diese Faszination auf Ihr Publikum. Auch finden Sie Vergleiche, und Metaphern. Sowie eine Heldenreise für Ihren wissenschaftlichen Gegenstand.
Dadurch erreichen Sie eine größere Leserschaft. Und respektieren dabei selbstverständlich immer die Regeln des wissenschaftlichen Schreibens.

Unser Online-Kurs „Fröhliche Wissenschaft“ macht Spaß und Sie arbeiten in einem sicheren Rahmen. Begleitet werden Sie dabei von unserer versierten Trainerin Dr. Hanne Landbeck.

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Fröhliche Wissenschaft: Storytelling für wissenschaftliches Schreiben

Vorgehensweise

Anfangs präsentieren die TN ihre Projekte und die damit verbundenen Ziele. Wissenschaft besser schreiben lernen Sie anschließend durch Möglichkeiten des Storytellings. Kreativitätstechniken pusten dabei auf jeden Fall Ihren Geist frei. Das heißt auch: Sie werden Assoziationen und neue Querverbindungen finden. Des weiteren werden Sie mit Ihrem Material spielen. Das Heureka-Moment  – die Erleuchtung – kommt vielleicht auch für Sie in der Badewanne? Denn Wissenschaft schreiben lernen bedeutet auch: genügend Pausen einlegen.

Die Bedingungen des Schreibens für unterschiedliche Medien stellen ein Thema dar.  Entsprechend macht Arbeit am Text einen Schwerpunkt des Kurses aus. Folglich verbessert sich auch Ihr Stil. Sie finden mögliche  “Heldenreisen” für Ihr Thema. Hierdurch strukturiert sich Ihr Text wie von selbst.  Am Ende steht der Plan für die gesamte Arbeit. Sowie einige, wenn nicht gar alle Textteile für die avisierte Publikation.

Sie arbeiten – begleitet von der Trainerin von schreibwerk berlin – im geschützten Bereich der Online-Plattform.

Wissenschaft besser schreiben

Zielgruppen

Studierende, die ihre Abschlussarbeit schreiben; Doktorand*innen und andere Wissenschaftler*innen, die Publikationen vorbereiten. Auch für AutorInnen von populärwissenschaftlichen Sachbüchern ist der Kurs geeignet.

Dabei verhalten sich die Betreuer als „intelligente Laien“, die den akademischen Diskurs beherrschen. Die Vermittlung des Themas für diese Leserschaft ist darüber hinaus ein Hauptaspekt beim Storytelling für Wissenschaft und Sachbuch.

Ziele

  • Eruieren der Möglichkeiten des spannenden, erzählerischen und dennoch seriösen Schreibens. Wissenschaft besser schreiben lernen.
  • Mit Storytelling für Wissenschaft und Sachbuch.
  • Erkennen des Story-Potentials des Themas und dessen entsprechende Inszenierung.
  • Schnelle Verbesserung Ihres Stils (Satzbau, Wortschatz, Satzlänge etc.).
  • Kreatives Schreiben lernen, um Kreativitätstechniken optimal zu nutzen.
  • Integration der Perspektive der Leser in das wissenschaftliche Schreiben.

Was ist Schreiben für die Wissenschaft?

Schreiben für die Wissenschaft und ihren Kontext (Universitäten, scientific community, Sachbuchleser*innen im weitesten Sinne) ist ein besonderes Schreiben. Es erfordert Präzision ebenso wie die genaue Kenntnis des Faches bzw. des Themas, über das Sie schreiben. Es erfordert darüber hinaus die Kenntnis des Publikums – denn Leser*innen von wissenschaftlichen Texten erwarten einen komplexen Text; aber auch einen Text, der sie bildet, der ihnen visher Unbekanntes erklärt.

Wissenschaftliches Schreiben agiert innerhalb eines gewissen Rahmens – je nachdem, ob es sich um eine Doktorarbeit, eine Bachelor- oder Masterarbeit, einen wissenschaftlichen Artikel oder um ein Sachbuch für eine breitere Öffentlichkeit handelt, gelten besondere Regeln.

Wenn Sie sich für unseren Kurs „Fröhliche Wissenschaft“ entscheiden, bestimmen Sie – mit unserer Hilfe – für welchen Kontext Sie schreiben. Und Sie machen sich mit den Erwartungen des Publikums bekannt, für das Sie schreiben. Eventuell stellen Sie sich dann auch den/die Professor*in einmal in Unterhosen vor. 😊

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Kann man Schreiben für die Wissenschaft lernen?

Ja, man kann. Jede*r kann das. Und nicht nur das: Sie können in unserem Kurs Fröhliche Wissenschaft auch lernen, wie Sie Ihre wissenschaftlichen Texte lebendiger schreiben. Wie Sie Ihr Publikum fesseln. Schauen Sie mal in die englischsprachigen Wissenschaftstexte. Sie werden feststellen, dass dort vieles erlaubt ist, was scheinbar (oder tatsächlich) noch im deutschen Kontext verboten ist: Das Geschichtenerzählen. Oder eben: Storytelling für die Wissenschaft.

Nehmen Sie nur zum Spaß mal das Buch „Darm mit Charme“ in die Hand und schauen Sie sich an, wie die Autorin Giulia Enders ein Millionenpublikum erreicht hat. Schon klar, es handelt sich hier nicht im strengen Sinne um eine Wissenschafts-Publikum, aber doch um eine populärwissenschaftliche Vorgehensweise. Wenn Sie sich nur ein paar der Verfahren abschauen, dann schaffen auch Sie es, Ihr Publikum von Ihrem Anliegen zu überzeugen.

Dazu ist es notwendig, dass Sie in einen Spiele-Modus kommen. Gerade dieser scheint ja aus dem Schreiben für die Wissenschaft verbannt zu sein. Es handelt sich noch um ein Tabu im deutschen wissenschaftlichen Kontext. Hauptsache, die Sätze sind so kompliziert, dass keine*r sie versteht – das scheint eher die Devise zu sein.

Wenn Sie aber Erfolg mit – und selbst wieder Spaß an – Ihrem Thema haben wollen, dann ist es sinnvoll, sich durchaus einige Späße mit dem so überaus ernsten Thema, das Sie bearbeiten, zu erlauben.

Dazu helfen Ihnen Methoden, die Ihnen Ihre Kreativität zurückbringen. Denn Sie waren, schauen Sie mal ein wenig in Ihre Kindheit, ungeheuer kreativ. Das vergessen das leider im Laufe der Ausbildung, der Schule und vor allem an den Universitäten. Aber der Kern unseres kreativen Selbst ist immer vorhanden, und wir können ihn wieder aktivieren. Wie bei schreibwerk berlin führen Sie im Online-Kurs Fröhliche Wissenschaft durch einfach Übungen auch zu Storys, die Sie – entlang Ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse – zu einem großen Arbeitsvergnügen führen. Und, seien Sie sicher, Sie können im weitesten Sinne auch unterhaltsam schreiben, ohne die Regeln der Wissenschaft zu verletzen.

An erster Stelle steht für uns, dass Sie wieder Spaß an Ihrem Thema finden. Dass Sie wieder die Faszination spüren, die Sie damals zur Wahl Ihres Themas gebracht. Im Notfall „tanzen“ wir mit Ihnen Ihre Arbeit, so dass Sie sich zu Walzerklängen mitsamt Ihrem Text drehen und im Dreivierteltakt wieder daran erinnern, was Ihnen zunächst Freude gemacht hat, als Sie Ihr Thema auswählten. Nein, Sie brauchen keine CD mit diesen Tänzen zu veröffentlichen, Sie müssen uns das im Kurs auch nicht zeigen, wenn Sie nicht wollen. Was wir möchten, ist, dass Sie sich mit Ihrem Thema neu befreunden.

Der Ausdruck Wissenschaftliches Schreiben lässt uns zunächst ein wenig zittern, denn wir haben Ehrfurcht und Respekt vor der Institution Wissenschaft, also auch davor, Fehler zu machen, wenn wir uns in diesem ehrwürdigen Kontext bewegen. 

Sie werden sehr intensiv ausgebildet, was die Fachinhalte Ihres Studiums angeht, das Schreiben aber wird meistens einfach als Fähigkeit vorausgesetzt. Viele fühlen sich dabei unwohl, wissen nicht genau, wo sie beginnen, wie sie die Mitte organisieren und womit sie enden sollen; sie wissen lediglich, dass es viele Fachtermini gibt. Und wenn Sie gar nichts falsch machen wollen, streuen Sie einfach an jeder Ecke und in jeder Mitte eines Satzes einen Fachterminus ein, schreiben Sätze, die über zwei Seiten gehen und bei denen das Verb am Ende der zweiten Seite kommt: Sie können sicher sein, dass das ein Text wird, der einen wissenschaftlichen Anschein erweckt, aber kein Wissen schafft.

Auch Studierenden können die wissenschaftlichen Anforderungen Angst einflößen, denn das Regelwerk ist streng. Diese Strenge hat beim Schreiben zu einem distanziertem Stil geführt (Macht wird durch Distanz aufgebaut und bewahrt!), der wiederum den Inhalt vom Leser entfernt. Das geht bis in die Satzkonstruktion. Oft passiert es uns beim Lesen eines wissenschaftlichen Textes, dass wir wie auf einer abstrakten Wolke schweben und nichts mehr verstehen (wollen), einfach weil der jeweilige Text keine Kommunikation mit uns als Mensch aufnimmt.

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Darf man im wissenschaftlichen Kontext „schöne Texte“ schreiben?

Unsere Antwort lautet ganz einfach: ja, man darf nicht nur, man sollte auch im wissenschaftlichen Kontext versuchen, „schöne Texte“ zu schreiben. Texte, die sich gut lesen lassen und die dem/der Leser*in einen Mehrwert vermitteln. Nicht nur, dass man sich damit – über den wissenschaftlichen Betrieb hinaus – Freunde macht, sondern man bietet dem Publikum einen Text, den es sich merken wird. Und merken will.

Storytelling für wissenschaftliche Texte bedeutet nicht, dass Sie sich irgendeine Fiktion ausdenken und diese schreiben. Sondern andersherum: Sie prüfen, welche Elemente von bekannten Genres für Ihre wissenschaftliche Geschichte taugt. Das heißt, Sie können durchaus auch im naturwissenschaftlichen oder medizinischen Kontext Storys bieten. Zum Beispiel die Detektivgeschichte, wie jemand das Virus – welches auch immer – besiegte. Dabei denken Sie entlang der „Heldenreise“: Es war einmal ein*e Wissenschaftler*in (oder eine Gruppe), die eine besondere Aufgabe hatte. Da eine Pandemie die Welt bedrohte, standen sie unter hohem Druck, einen Impfstoff zu finden, damit es nicht noch weitere Opfer gäbe. Sie probierten aus: diesen Stoff und jenen, sie scheiterten. Aber sie gaben nicht auf …

Das ist das Modell der Heldenreise, angewandt auf ein Forschungsgebiet – und schließlich dargeboten in Ihrem Text. Der Held/die Heldin hat eine Aufgabe (entweder selbstgestellt oder von außen erhalten), er/sie begibt sich auf den Weg (nachdem er/sie zwischendurch aber auch ablehnen wollte, denn der Weg scheint zu schwer, die Lösung zu weit entfernt, die Hürden zu hoch …) und nimmt schließlich die Aufgabe an. Dann probiert er/sie aus: diesen Weg – ah nein, zu steinig – jenen Weg, auch nicht gut, zu steil, den anderen Weg … einige Hürden auf dem Weg sind zu hoch, sie lassen Ihre Hauptfigur scheitern – doch irgendwann, vielleicht auch durch eine Idee, die komplett abwegig erschien, eröffnet sich die Lösung. Dann gibt es vielleicht noch Gegenspieler*innen, die verhindern wollen, dass die Gruppe Erfolg hat. Das können die Konkurrent*innen im medizinischen, im technischen, im wirtschaftlichen Umfeld sein – oder in welchem Umfeld auch immer. Diese legen Ihren Protagonist*innen immer wieder Steine in den Weg. Doch am Ende – steht der Sieg. Das Mittel, das die Pandemie besiegt. Die Glühbirne wie bei Edison. Die Relativitätstheorie wie bei Einstein. Die Welt ist doch keine Scheibe, wie bei Galileo. Manche Wissenschaftler*innen gingen einen sehr schweren Weg, wie Giordano Bruno, andere hatten es leichter. Heute droht die Todesstrafe nicht mehr – aber was Ihnen droht, wenn Sie sich den Möglichkeiten des Schreibens für die Wissenschaft widersetzen, das ist: Sie bleiben unerkannt, nicht anerkannt. Eine Nummer im Getriebe, dabei wollen Sie doch ein Sandkorn sein.

Akzeptieren Sie also einfach, dass es gut sein kann, Methoden des Storytellings für das wissenschaftliche Schreiben zu nutzen. Denken Sie an Giulia Enders mit Darm mit Charme, die durch eine ungewöhnliche Perspektivverschiebung den Darm zum Helden machte. Das ist ein populäres Sachbuch, keine im engeren Sinne wissenschaftliche Publikation – aber hey, wenn Sie so viele Leser finden wie die Autorin, dann legen Sie wahrscheinlich auch keinen Wert mehr darauf, was die „happy few“ über Sie denken. Das muss aber nicht sein, wir helfen Ihnen, einen Weg in der Mitte zu finden: Sie schreiben spannende Texte und vermitteln seriös und im Rahmen Ihres wissenschaftlichen Kontextes das Wissen, das Sie erarbeitet haben.

Wenn Sie mit Storys arbeiten, schlagen Sie mehrere Fliegen mit einer Klappe:

  • Leser*innen (auch Wissenschaftler*innen) behalten die Geschichten besser im Gedächtnis.
  • Der Text zieht das Publikum in seinen Bann.
  • Dadurch, dass Sie mit Ihrem Text auch unterhalten, merkt man sich nicht nur die Geschichte, sondern auch Ihren Namen.
  • Sie vermitteln selbstverständlich Wissen – durch die Storys und die Elemente des Storytellings. So bilden Sie Ihr Publikum – und unterhalten es zugleich.

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Sind Geschichten für das Schreiben für die Wissenschaft seriös?

Unsere Antwort lautet ganz einfach: ja, das sind sie, wenn Sie sich immer an die Fakten halten. Und aus Fakten Geschichten zu erzählen, das ist ein unglaublich spannender Prozess. 

  • “Wenn ich einen Lichtstrahl verfolge…”, beginnt Einstein.
  • “Eine Katze ist in einer Stahlkammer eingesperrt…”, fährt Schrödinger fort.

All dies klingt wie der Anfang eines spannenden Romans. Sie sehen, gerade die Großen in der Wissenschaft hatten auch immer Freude am Schreiben. 

Das Erzählen von Geschichten macht den Lese- und damit Lernprozess ansprechender und spannender. An Informationen mangelt es heutzutage nicht. Was aber einen Unterschied zu drögen wissenschaftlichen Texten, durch die man sich durchkämpfen muss – und am Ende darüber einschläft, ist:

  • Wenn die Leser*innen Lust entwickeln, das Wissen zu erlernen.
  • Wenn der Text die Phantasie anregt. Und das genau ist es, was Geschichten tun. Erzählungen verleihen den Autor*innen die Möglichkeit, ihr Material so zu strukturieren, dass das Publikum meint, an einer Handlung wie in einem Roman teilzunehmen. Das bedeutet nicht, dass das Material „erfunden“ oder „falsch“ wäre, ganz und gar nicht.

Es bedeutet aber, dass Sie als Autor*in wissenschaftlicher oder Sach-Texte das Material sorgfältig und geschickt arrangieren. Und zwar so, dass jedes Stück eine bedeutungsvolle Rolle als Teil einer übergreifenden Geschichte spielt. Und dass Sie die Leser*innen wie durch eine Handlung führen. Sie gehen schon immer mit den Elementen: Beschreibung, Information und Argument um, in unserem Kurs Fröhliche Wissenschaft lernen Sie, dass diese Elemente Teil einer Rahmenerzählung sein können.

Was macht gutes Storytelling beim Schreiben für die Wissenschaft aus?

Sicherlich fragen Sie sich jetzt, wie man einen komplexen wissenschaftlichen Sachverhalt anders als erklärend darstellen kann. Und welche Gemeinsamkeiten es zwischen den Prinzipien der Zellatmung, den Vorteilen einer Impfung und einer Geschichte geben kann.

Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass es bei all diesen Themen um etwas geht, um Menschen, Erbmerkmale, Moleküle, Viren. Diese sehen Sie in unserem Online-Kurs Fröhliche Wissenschaft nun einfach nicht mehr als „Dinge“, sondern fragen sich, welche Charakteristika sie haben. Wie ein Akteur in einer möglichen Geschichte.

Darüber hinaus betrachten Sie die Regeln des gemeinsamen – oder Gegeneinander-Agierens dieser Akteure.

Üblicherweise isoliert das Schreiben für die Wissenschaft die Akteure/Elemente eines bestimmten Phänomens. Es beschreibt die Gesetze, die das Handeln der einzelnen Elemente bestimmen, voneinander getrennt und in einem neutralen Stil. Wenn Sie aber die Akteure einfach mal auflisten, sich dann fragen, wie sie miteinander (oder gegeneinander) arbeiten oder agieren, dann erkennen Sie hier schon die Elemente für eine Geschichte. Vielleicht macht ein chemisches Element es dem Impfstoff schwer, ja arbeitet sogar kontraproduktiv? Schon haben Sie – im Sinne der Erzähltheorie, den Gegenspieler gefunden. Vielleicht gibt es kleinere Elemente, die helfen? Schon erkennen Sie Ihre Nebenfiguren im Drama um die Suche nach einem neuen Impfstoff.  Sie machen dann einfach eine Hierarchie der Elemente – und verblüfft erkennen Sie, welche Elemente agiler sind als andere; welche wohin drängen und welche auch überflüssig sind. So erkennen Sie nach und nach die Akteure für Ihre besondere Geschichte. Das kann also auch Schreiben für die Wissenschaft bedeuten. Ein Nebenprodukt ist übrigens, dass Sie selbst durch den neuen Ansatz, auf Ihre Forschung zu schauen, an einem spannenden Prozess der Erkenntnis teilnehmen.

Sie können Ihren Gegenstand – wie Giulia Enders das tat – als Held definieren. In diesem Fall schicken Sie nicht die Forschungsgruppe auf die „Heldenreise“, sondern den Gegenstand selbst. Plötzlich erkennen Sie das Leben, das darin steckt. Und schon haben Sie auch den Charakter – etwas bewegt sich träge oder flink, hat ein Ziel oder will nur stören, ist „gut“ oder „schlecht“ – und nun haben Sie das Programm für Ihre Erzählung gefunden. Denn Sie haben den Handlungsträger bestimmt, das Ziel der Reise – und die Hürden auf dem Weg dahin. An dieser Struktur können Sie Ihre Erzählung orientieren – und verlieren dabei keineswegs die wissenschaftliche Seriosität aus den Augen.

Storytelling ist ein Oberbegriff für leserorientiertes Erzählen. In der Wissenschaft bedeutet es, die Geschichte des Forschungsobjektes/der Forschung (seien es nun Einzeller, Neutronen, Philosopheme oder Sonnensysteme) so zu präsentieren, dass es eine Geschichte ist, die die Leser mit ihren Sinnen fesselt. Leser hören einfach besser zu, Leserinnen spitzen eher die Ohren, wenn sie eine spannende Geschichte erzählt bekommen, als wenn sie dröge Fakten durch objektive Formeln lernen sollen.

Wir befinden uns in einer von technischen Medien diktierten Gesellschaft – und Medien wirken zurück auf diejenigen, die sie nutzen. Die wissenschaftliche Kommunikation und ihre Formen verändern sich schnell und sind zunehmend auch auf eine größere Öffentlichkeit hin ausgerichtet. Der traditionelle deutsche Wissenschaftsbetrieb ist daher in eine Zwickmühle geraten und schlingert zwischen einem modernen, anekdotenhaft-jovialen und einem älteren, streng wissenschaftlichen Stil.

Tipp: Sie sollten sich vor dem jeweiligen Schreiben (oder Reden) darüber informieren, wie der Kontext aussieht, was erlaubt, was verboten ist – und sich daran halten. Schauen Sie sich Beispieltexte an, loten Sie Ihre mögliche Freiheit aus, lernen Sie aber auch Ihre Grenzen kennen. Eruieren Sie die Konventionen Ihres „Feldes“, um sie erfüllen – und dann (Heureka!) sprengen zu können.

Die Wissenschaft und ihre Vertreter*nnen haben sich geändert; vor allem sehr stark globalisiert, und wie bei fast allem, was Globalisierung meint, orientiert man sich dabei häufig an amerikanischen Standards. Für die Wissenschaftssprache ist das allerdings eine sinnvolle Orientierung, denn schon seit langer Zeit machen uns englischsprachige WissenschaftlerInnen vor, wie man ernsthaft, seriös und zugleich verständlich Forschung und ihre Ergebnisse beschreiben kann. 
In Deutschland haben wir es – pardon –  oft noch mit einem Wissenschaftsdünkel zu tun, mit einer (übertriebenen) Abwehrhaltung anderen gesellschaftlichen Gruppen gegenüber. Das war sicher irgendwann einmal eine notwendige Maßnahme für eine bedrohte Gemeinschaft; inzwischen muss diese Gemeinschaft aber stärker nach außen dringen, über ihre Grenzen hinaus bekannt werden. Also sollten die Barrieren wie übertriebene Fachterminologie, gestelzte und umständliche Satzkonstruktionen, hyperkomplexe Inhalte … fallen. Zumindest immer dahingehend überprüft werden, ob sie notwendig sind.

Die Konkurrenz im Wissenschaftsbetrieb ist enorm und der Druck groß: Die Anzahl der Veröffentlichungen ist eine der Sprossen auf der Karriereleiter.

Falls Sie herausfinden, dass in Ihrem speziellen Kontext Geschichten (noch) nicht erlaubt sind, können Sie sehr viel durch den Stil erreichen. Auch das lernen Sie in unserem Online-Kurs Fröhliche Wissenschaft.

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Schreiben für die Wissenschaft – Wie kann ich die Lesbarkeit durch guten Stil verbessern?
Wir zeigen Ihnen Verfahren und geben Ihnen Tipps

Pragmatisch gehen moderne VerfasserInnen mit dem knapp bemessenen Zeitbudget der LeserInnen um, sie legen Köder aus, um das Publikum dazu zu bringen, den gesamten Text zu lesen, sich in ihn zu vertiefen. Diese Köder liegen in der Zusammenfassung. Diese sollte also

        • knapp
        • interessant
        • sinnlich
        • faktenorientiert
        • nach Wichtigkeit geordnet

geschrieben sein, und die Leser HUNGRIG machen auf das, was ausführlich dargestellt wird. Diese Stichwortsammlung können Sie gerne erweitern.

Wie kann eine Zusammenfassung SINNVOLL werden?

Eine gute Übung ist der „Elevator pitch“, die kurze  und effiziente Zusammenfassung einer großen Menge an Gedanken und an Arbeit; sie offenbart möglicherweise, wie schwierig es ist, die Arbeit von drei Monaten (oder von fünf Jahren) auf einer Seite zusammenzufassen. Nicht nur, weil es Ihnen weh tut, die geliebten Details wegzulassen oder die Entscheidung zu treffen, was nun wichtig oder nicht ganz so wichtig ist, sondern auch, weil es gar nicht so leicht ist, in einem Adlerflug über das eigene Forschungsgebiet zu gleiten und dabei die offensichtlichsten Wege zu erkennen. Das Summary ist eine Arbeit, für die man unter Umständen zwei Wochen braucht.

„Entschuldigen Sie, dass der Brief so lang geworden ist, ich hatte keine Zeit für einen kürzeren“

soll Johann Wolfgang von Goethe geschrieben haben – auch Blaise Pascal sagt man ein fast gleichlautendes Zitat nach.

Das bedeutet nun nicht, dass Goethe von Blaise Pascal abgeschrieben haben muss, sondern dass beide Autoren dieselbe Erfahrung gemacht haben: Kurz (und verständlich) zu schreiben, heißt, Zeit zu benötigen, um zu denken und dann zu schreiben. Wir müssen entscheiden und den Mut haben, Dinge wegzulassen. 

Nennen wir es mal: Feng Shui für das Schreiben.

Was ist wichtig? Was muss man sagen? Was ist unwichtig? Was kann, was muss man weglassen? Das sind die Fragen, die sich hier stellen, und alle beziehen sich auf das Thema. 

Wenn Sie den Kontext thematisieren müssen, dann machen Sie das kurz. Skizzieren Sie vor allem das Individuelle, das, was Ihren Forschungsgegenstand von den anderen definitiv unterscheidet. Merken Sie sich: Allgemeine Phrasen überliest jeder. Spezifische Information, die sich darüber hinaus noch über die Sinne an die Leser richtet, kommt an!  

Methoden für den Elevator Pitch

  • Legen Sie immer eine Anzahl sehr großer Blätter in Ihre Nähe, um Notizen, Kritzeleien, große und kleine Gedanken, Zeichnungen, Mindmaps, Prozesse des Denkens … darauf festhalten zu können. 
  • Formulieren Sie Thesen und ordnen Sie sie danach als mögliche Gliederung bzw. Anhaltspunkte für Ihre (kurzen) Texte.
  • Stellen Sie bzw. beantworten Sie die „W-Fragen“ (die vom journalistischen Schreiben entlehnt sind und dort eine Orientierung für die Leser mit den wichtigsten Informationen herstellen:) Wer hat was wann wo getan und warum? – was auf eine wissenschaftliche Untersuchung genauso zutreffen kann; ggf. muss man diese Fragen erweitern und sowohl für den Untersuchungsgegenstand als auch für die Untersuchung selbst stellen.
  • Finden Sie Bilder, die oft „mehr sagen als 1000 Worte“ 
  • Schreiben Sie nach einem ungeordneten Brainstorming schnell einen Text und streichen dann die unnötigen Worte. Danach kürzen Sie das Unwesentliche.
  • Ordnen Sie Ihre Brainstormingergebnisse nach Wichtigkeit.

Stilistische und rhetorische Verfahren für bessere wissenschaftliche Texte

Der Tabubruch

Schon allein die Tatsache, dass Giulia Enders den Darm und das „Kacken“ öffentlich thematisiert, bricht viele Tabus. Dass sie darüber noch Witze macht, ist ein weiterer Tabubruch. Dass sie darüber hinaus auch noch genüsslich in alle Details und Zusammenhänge des inneren und äußeren Vorganges beim Stuhlgang einsteigt und sich an ihnen labt, lässt sicher viele den Kopf schütteln und mit Sigmund Freud sagen: Diese Frau ist in der analen Phase stecken geblieben.
Dieses Tabubruchbündel wirkt auf die Gesellschaft ungefähr so (erregend) wie damals, als Frau Uhse begann, Sexualität öffentlich zu machen (sie gründete 1962 ihr erstes Fachgeschäft für Ehehygiene in Flensburg); aber der Erfolg von Giulia Enders zeigt auch, wie sich die Gesellschaft seither geändert hat – doch das nur am Rande. 

Das Objekt / der Proband wird zum Helden/zur Heldin

Bei Giulia Enders ist ganz klar der Darm der Held, er erhält menschliche Eigenschaften, er besitzt magische Kräfte und seine Leistungen sind nicht nur hervorragend, sie laden sich nach und nach mit noch mehr Wichtigkeit auf, so dass er am Ende, bei richtiger Behandlung und Verständnis, der Held ist, den wir alle verehren.

So ähnlich hat die Nibelungensage es mit Siegfried gemacht, der nicht nur schön und groß und stattlich war, sondern dies auch beweisen musste, indem er (listig) gegen den Drachen kämpfte. Jede Zeit hat ihren Helden, das Mittelalter bevorzugte Ritter, wir, die wir körperorientiert sind, nehmen innere Organe und machen ihre Arbeit (und ihr Versagen) verständlich und informieren so auf unterhaltsame Weise über ein bisher tabuisiertes Thema.

Vorsicht: Nicht für alle (wissenschaftlichen) Vorhaben eignet sich das Heldentum.  Was wir aber davon mitnehmen: Lassen Sie Ihr Forschungsprojekt / Ihren Gegenstand AKTIV werden, schauen Sie auf die Möglichkeiten, die er hat, eine GESCHICHTE zu durchlaufen. 

Auch Wissenschaftsautor Colin Crouch bedient sich in „Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus – Postdemokratie II“ der so genannten Anthropomorphisierung, der Vermenschlichung eines Dings, einer Sache – in diesem Fall ist der Held eine eigentlich abstrakte Wirtschaftsordnung, die erst durch die Beschreibung lebendig wird:

„Der Neoliberalismus trat, wie wir noch genauer sehen werden, seine Regentschaft an, als sein Vorgänger, die keyenesianische Nachfragesteuerung, in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine massive Inflationskrise heraufbeschwor.“ (Crouch, 2011: 19)

Hier ist der Neoliberalismus nicht nur Held, sondern sogar Herrscher.

Karl Schlögel, em. Historik-Professor, bedient sich des Stilmittels der Vermenschlichung auf der sprachlichen Ebene, wenn er von Berlin und von Moskau spricht:  

„Beide Städte, die so wuchtig und eindrucksvoll die Bühne des anbrechenden 20. Jahrhunderts betreten hatten, sind im Laufe des Jahrhunderts aus dem Kreis der großen Weltstädte ausgeschieden in einem ganz eigentümlichen und sehr verschiedenen Prozeß der Selbstzerstörung.“ (Schlögel, 2004 – zitiert nach elektronischer Quelle)

Bilder

Giulia Enders benutzt BILDER, neben den sprachlichen auch tatsächliche Illustrationen (die ihre Schwester anfertigt) – das hilft nach dem Motto „Doppelt gemoppelt hält besser“ und spricht die Leser in unterschiedlicher Art und Weise an.

  • Auch Sie können/sollten sich überlegen, welche Fotos, Skizzen, Schaubilder, Diagramme, Tabellen oder sonstigen visuellen Helfer Sie sinnvoll in Ihren Text einbauen können, wenn es das Umfeld erlaubt.

Aber eigentlich geht es uns um die sprachlichen Bilder, deshalb zitieren wir hier noch einmal aus „Darm mit Charme“: 

„Wir würden verstehen, dass wir uns grob aus drei Schläuchen entwickeln“ (Enders, 2014: 18),

schreibt Enders, weil sie verstanden hat, dass wir Augenmenschen sind und mit der Vorstellung, aus drei Schläuchen zu bestehen bzw. uns daraus zu entwickeln, einiges anfangen können.

Enders nutzt hier mehrere Dinge zu ihren Gunsten: Wir stellen uns sofort drei Schläuche vor, die miteinander verwickelt sind. Und denken, ok, so ist also unser Körper. Automatisch funktionieren unsere Vorstellungen, fast wie eine Maschine. Man gibt „Schlauch“ ein und schwupp, wir stellen uns Schlauch vor. Und das sogar dreifach. Wir funktionieren nämlich als Leser folgendermaßen: Unsere Vorstellung arbeitet schneller, als wir denken können. Gibt man uns ein Stichwort, haben wir gleich das Bild. Gibt man uns einen Geruch, riechen wir ihn innerlich…. Wir Menschen stellen uns sofort die Dinge vor, die jemand nur mit seinen Worten beschreibt.  Gerüche riechen wir „innerlich“, Gefühle spüren wir … – unsere Sinne funktionieren nicht nur als Nah-Sinn, sondern auch als Fern-Sinn

  • Achten Sie also darauf, immer mal wieder sinnliche Anreize (im Rahmen dessen, was in Ihrem Kontext erlaubt ist) zu bieten. Aber Achtung: Seien Sie dabei diskret. Holzhammermethoden kommen zunächst an, aber sie funktionieren nicht ewig (weshalb Pornofilme ja nur kurzfristig Wirkung zeigen).

Vergleiche

Giulia Enders verwendet Vergleiche

„Die Welt sieht viel lustiger aus, wenn wir nicht nur das sehen, was man sehen kann — sondern auch all den Rest. Ein Baum ist dann kein Löffel. Auge sagt uns zur Form: »Löffel.« Unter der Erde sind allerdings mindestens so viele Wurzeln wie oben Äste in der Luft. Hirn müsste dann eigentlich so etwas wie »Hantel« sagen, tut es aber nicht. Den meisten Input kriegt das Hirn von den Augen und höchst selten mal von einer Abbildung im Buch, die einen Baum vollständig zeigt. Also kommentiert es brav die vorbeirauschende Waldlandschaft mit: »Löffel, Löffel, Löffel, Löffel.« (Enders, 2014: 17; hervorgehoben von mir)

Abgesehen davon, dass ich persönlich in einem Wald noch niemals Löffel anstelle der Bäume gesehen habe, akzeptiere ich diesen Vergleich insofern, als der gesamte Passus versucht, einen Vergleich einer Hirnleistung (Erkennen der offensichtlichen Phänomene und Ignorieren des nicht Sichtbaren) in einem Kontext (hier: Naturbetrachtung) mit der Hirnleistung in einem anderen Kontext, nämlich dem etwas schwer zu beschreibenden der Betrachtung von Körperfunktionen anzustellen. Da ist die Löffel-Metapher eingängiger als wenn sie sagen würde: Was sehen wir, wenn wir uns bücken und in unseren Anus schauen? (Das würde vielleicht sogar ihr zu weit gehen.) Das heißt: Ein Prozess in einem Paradigma kann mit einem Prozess in einem anderen Paradigma verglichen werden. Bei Vergleichen wie hier gilt also die Ähnlichkeit der Beschaffenheit; hier ist die Vergleichsbasis: Nicht sehen, was verborgen ist. 

Vermeiden von Klischees

Und sicher wollte G. Enders, auch das ist ein rhetorischer Trick, vermeiden, vom allfälligen Eisberg zu sprechen. 
Wenn wir davon sprechen, dass unsere Sinne nur einen Teil des Phänomens, nämlich das Sichtbare, wahrnehmen, wenden wir üblicherweise den Eisberg-Vergleich an. Dessen untere Hälfte ja bekanntlich 90% ausmacht. Das wäre allerdings ein Vergleich, bei dem keiner aufhorcht, denn abgedroschene Phrasen/Vergleiche/Worte haben leider zur Folge, dass unsere Aufmerksamkeit einfach an ihnen abrutscht. Denken Sie sich also immer etwas Neues aus, damit Ihre LeserInnen am Text bleiben. 

Beschreibung, spannend gemacht

Die Beschreibung als erzählende Methode ist eine einfache, eingängige und funktionierende Methode, um die Leser mit in das Zentrum des eigenen Themas zu nehmen:

“Delft, 1677
Unter den vielen Zuspitzungen und Brüchen in der Erforschung menschlicher Fortpflanzung lässt sich ein Ausgangspunkt bestimmen, der vielleicht nicht allzu willkürlich gewählt ist: die 1670er Jahre in der niederländischen Stadt Delft. Eine seltsame historische Koinzidenz bringt hier zwei Forscher zusammen, die unabhängig voneinander die Vorstellung vom Entstehen der Lebewesen in eine neue Richtung führen, der eine für den männlichen, der andere für den weiblichen Anteil der Zeugung. Antoni van Leeuwenhoek entdeckt 1677, bei seinen vielfältigen mikroskopischen Studien, die Spermatozoen in der Samenflüssigkeit. Regnier de Graaf seziert ein paar Jahre zuvor die Eierstöcke von Frauen und erkennt als Erster die spezifisch weiblichen Anteile dieser Organe – die bei Säugetieren bis dahin als nach innen gestülpte, funktionslose Entsprechung der Hoden galten – für die Fortpflanzung des Menschen. Er hält die Follikel in den Eierstöcken zwar für die Eier selbst (erst 1827 wird Karl Ernst von Baer das Säuegetier-Ei tatsächlich entdecken), doch er beschreibt die Funktion dieser Bläschen, ihre Veränderung im Prozess der Ei-Reifung, mit großer Genauigkeit. Sie tragen noch heute, als „Graafsche Follikel“, seinen Namen.“ (Bernard, 2014: 27)

Andreas Bernard bedient sich hier des Verfahrens der Zusammenziehung zweier Ereignisse, die er als guter Geschichtenerzähler sehr nah zueinander bringt. Er interpretiert für die Leser den Gang der Ereignisse, bringt zusammen, was „zusammen gehört“, er definiert Kristallisationspunkte der Geschichte und interpretiert historische Situationen als Spannungssituationen. Das macht zumindest die Lektüre spannend(er) und erlaubt dem Publikum, Zusammenhänge zu erkennen. Und er bietet einen Erzählteppich, indem er die Forscher quasi bei ihrer Arbeit „zeigt“.

 Beschreibung (einfach)

“Ein Mann rast im Sportwagen durch Manhattan, vom Washington Square aus die Fifth Avenue herauf in Richtung Midtown. Es ist taghell, aber die Straßen sind leer. Geparkte Autos am Straßenrand, niemand sonst auf der Straße. Dafür wächst in den Ritzen des Asphalts verdächtig viel Gras. Die Kamera fährt hoch, über die Dächer Manhattans, und man sieht: Der Mann ist der einzige Mensch in der Stadt, sein Auto das einzige, was sich bewegt. Nur das ferne Röhren seines Motors tönt über der Innenstadt. Am Times Square steht mannshohes Gras, in dem Damwild grast. Was einst ein Hexenkessel von Menschenmassen, Werbung und Verkehrschaos war, ist nun zugewachsen und überflutet von warmem, ruhigem Spätsommerlicht. Es herrscht vollkommene Stille.” (Horn, 2015: 7)

Eva Horn hat es zumindest eine Zeitlang einfach, indem sie in Worte fasst, was ihr Gegenstand (es geht um katastrophale Zukunftsszenarien in Literatur und Film) als Bild und Geschichte bietet. Sie beginnt ihre Untersuchung mit einer lupenreinen Beschreibung und zieht so die Leser in ihr Thema.

Es gibt auch direkte Methoden, die LeserInnen in die Gedankenwelt der Wissenschaft/des Denkers mit einzubeziehen.

Fragen

Ulrich Beck, vor dem wir uns hier verneigen, hat in: “Das deutsche Europa. Neue Machtlandschaften im Zeichen der Krise“ im Jahr 2012 schon Fragen gestellt, die manche heute noch überraschen, aber nicht weniger aktuell sind. Wie schade, dass Ulrich Beck die aktuelle Situation nicht mehr mit erlebt.

Ich zitiere aus der Einleitung: „Deutschland vor der Entscheidung über Sein oder Nichtsein Europas“

„…

Machen wir ein kleines Gedankenexperiment.

Nehmen wir an, die Deutschen würden darüber abstimmen, ob Griechenland jetzt (also Sommer 2012) den Euro verlassen soll. Das absehbare Ergebnis wäre: „Akropolis Adieu!“. Nehmen wir ferner an, über dieselbe Frage würden in einem Volksentscheid auch die Griechen abstimmen. Das wahrscheinliche Ergebnis wäre eine deutliche Mehrheit (laut Umfragen vom Mai 2012 von etwa 85 Prozent) für den Verbleib im Euro.

Wie wäre das Gegeneinander der Entscheidungen nationaler Demokratien aufzulösen? Welche Demokratie setzt sich durch? Mit welchem Recht? Mit welcher demokratischen Legitimation? Oder spielen hier die Erzwingungsmittel der Ökonomie eine Schlüsselrolle? Wäre letztlich die Vorenthaltung von Krediten der entscheidende Machthebel? Oder verliert Griechenland, das Ursprungsland der Demokratie, mit dem Gewicht seiner Schulden möglicherweise sein Recht auf demokratische Selbstbestimmung?

In was für einem Land, in was für einer Welt leben wir eigentlich, wenn eine solche Entmündigung einer Demokratie durch eine andere kein Aufsehen erregt?“

(Beck, 2012: 9/10; Fußnotenverweise weggelassen)

Das rhetorische Mittel, dessen sich Ulrich Beck bedient, ist eigentlich ein doppeltes, zielt aber in beiden Fällen auf den Einbezug der Leser: Er spricht zunächst im Plurales Majestatis, in der „Wir“-Form, obwohl er an diesem Buch alleine bzw. höchstens mit seiner Frau gearbeitet hat – einerseits ist dieser Kunstgriff eine Möglichkeit, das in der Wissenschaft aufgrund „gefühlter“ mangelnder Objektivität immer noch etwas verpönte „Ich“ zu vermeiden und zugleich die Leser in die Lektüre, in die Fragestellung zu zwingen. Das „Wir“ begründet eine Gemeinschaft derjenigen, die gemeinsam diesen Fragestellungen nachgehen. Und Fragen stellt Ulrich Beck dann ja jede Menge. Wetten, dass die Leser gleich alle auf einmal beantworten wollen?

Fragen sind ein rhetorisches Mittel, die LeserInnen auf die Seite des Textes zu ziehen, sie zu Komplizen zu machen, sie von Beginn an mit auf den Denkweg zu nehmen. LeserInnen fühlen sich dadurch gleichwertig mit dem Autor, sie fühlen sich empor gehoben und geschmeichelt. Und sind froh, wenn sie selbst dann doch nicht alle Antworten auf die gestellten Fragen geben müssen. Aber so tun können, als hätten sie ebenfalls diese Antworten gehabt.

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Erfolgreiche Autoren verstehen, wie Menschen Gelesenes aufnehmen: Wenn der Text seinen LeserInnen Bilder, Vergleiche und eingängige Akteure anbietet, wenn er sie anspricht, zudem (Tabubruch) überrascht, herausfordert und sich nicht versteckt, dann erhält der Text nicht nur Aufmerksamkeit, sondern er kann sie sich auch über lange Strecken sichern.

Giuilia Enders bedient sich der und bedient die Sensationslüsternheit ihres Publikums in überraschender Weise. Deshalb funktioniert ihr Buch. Die Leser lernen viel und die Autorin ist inzwischen selbst zur Heldin avanciert. Zu Recht.

Besserer Stil für das Schreiben für die Wissenschaft

Beispiel:

In den letzten Jahrzehnten ist die Notwendigkeit der Publikation zum Nachweis der Fachkompetenz für die Wissenschaftlerinnen gestiegen. (Dieser Satz ist ein Negativbeispiel, er zeigt, wie man nicht schreiben sollte – Nominalstil).

Der bessere Satz könnte lauten: In den letzten Jahren stehen WissenschaftlerInnen vermehrt vor der Notwendigkeit, viel und schnell zu publizieren, um ihre Fachkompetenz zu beweisen.

Tipp: Vermeiden Sie den Nominalstil – schreiben Sie aktive Sätze mit Handlungsträgern (hier: die WissenschaftlerInnen) und Verben (hier z.B. nachweisen, veröffentlichen, notwendig sein).

  

 ►  Verfahren auf der Satzebene

 ►    Verbalkonstruktion

Giulia Enders, hat darüber hinaus auf der Ebene der Mikrostruktur effizient gearbeitet, indem sie Verbalkonstruktionen einsetzt um ihren Text (noch) lebhaft(er) zu gestalten: 

„Unter unserer Haut ist dauernd etwas los: Wir fließen, pumpen, saugen, quetschen, zerplatzen, reparieren und bauen neu auf.“ (Enders, 2014: 17)

Dies ist ein wichtiger Hinweis: Sätze wirken besser, wenn sie aktiv formuliert sind. In der Wissenschaftssprache herrscht immer noch die Passivkonstruktion vor.

Auch können wir hier noch etwas sehr Wichtiges lernen: Ein Gedanke reicht für einen Satz. Dieser Gedanke darf variantenreich sein und länger daher kommen, aber es reicht ein einziger Gedanke. Dadurch wird der Text klar. Machen Sie am besten kurze Sätze. Und solche, die klar sind.

► Max Frisch hat es einmal so ausgedrückt: 

“Die Arbeit am Satz ist die Arbeit am Gedanken.”

Vermeiden Sie Passivsätze! Setzen Sie aktive, sprechende Verben ein. Bilden Sie möglichst kurze Sätze. Überlasten Sie die Sätze nicht durch viele Schachtel(neben)sätze, formulieren Sie Ihre Gedanken klar und so einfach wie möglich. Spielen Sie mit der Sprache (das dürfen auch WissenschaftlerInnen). Vermeiden Sie die -ung-Worte (die so beliebten Substantivsätze/Nominalkonstruktionen sind schwer und wirken wie LKWs auf der Autobahn – ohne Überholspur). 

 ► Absichtsvolle Ellipsen (Auslassungen)

Auch andere Wissenschaftler können gut schreiben, (ich habe ja schon einige zitiert), und zeigen das, indem sie z.B. Wiederholungen einsetzen und Erwartungshaltungen nicht erfüllen:

„Ungleichzeitigkeit der Zeit. Ausgleichung der Zeitunterschiede. Einvernahme des nach allen Himmelsrichtungen auseinander strebenden Riesenreiches. Täglicher Kreuzungspunkt für die Bewegungen von Millionen. Heerlager, Berge von Bündeln lebensnotwendiger Fracht. Gesichter der hundert Rassen. Ausgangspunkt von Tagereisen und Endpunkt wochenlanger Bahnfahrten”. (Karl Schlögel, 1984: 134.)

Karl Schlögel bedient sich hier eigentlich eines No-Gos, denn normalerweise (siehe Anmerkungen zur Verbalkonstruktion), wirken Sätze am besten, wenn sie aktiv gestaltet daher kommen. Und das tun sie meist durch ein Verb. Doch hier zählt Karl Schlögel einfach auf, um den Moskauer Bahnhof zu beschreiben. Die Leser erhalten den Eindruck eines ungeheuer vielfältigen Phänomens. Die Wucht, mit der diese Aufzählung in Nominalkonstruktion arbeitet, überträgt sich als Eindruck eines/aller Bahnhöfe Moskaus auf die Leser durch den hammerschlagartigen Rhythmus der gleichartigen Sätze und die Monumentalität ihrer Inhalte. Der Lesereindruck ist: Diese Bahnhöfe müssen das Individuum erschlagen. Diese Stadt, Moskau, ist mächtig, eine Naturgewalt. Und ich bin ziemlich sicher, dass der Historiker diesen Eindruck beim Leser erwecken wollte. Die Erwartung der Leser, eine gefällige, leicht verdauliche Beschreibung der Moskauer Bahnhöfe zu erhalten, wird an dieser Stelle zumindest nicht erfüllt. Eher kriegt der Leser es mit der Angst zu tun, die Worte könnten als Hammerschläge über einen selbst herein stürzen. 

Das heißt: Überraschen dürfen Sie Ihre Leser auch negativ. Seien Sie nicht zu vorsichtig mit ihnen. Die können einiges aushalten, und wenn die Form dem Inhalt entspricht wie hier, akzeptieren die Leser das gerne.

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Alle AutorInnen, die ich bisher genannt habe, betrachten den Leser, die Leserin als wichtiges Gegenüber, sozusagen als Partner und stellen sich sprachlich und von der Organisation ihres Materials her darauf ein.

Egal ob aus der Wissenschaft oder anderen Bereichen des Schreibens, diese AutorInnen gewinnen dann ein Publikum, wenn sie von Beginn an daran denken, dass es jemanden geben wird, der das Geschriebene liest, beurteilt, genießt, sich daran erfreut oder es in die Ecke feuert.

 

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