Die Zeit, die Zeit III: Leben in Zeiten von Corona

Die Zeit, die Zeit III: Leben in Zeiten von Corona

Schreiben Sie Ihr Corona-Tagebuch

Die Astrophysiker sagen, vor dem „schwarzen Loch“ (von denen in letzter „Zeit“ sehr viele entdeckt wurden), verlangsame sich die Zeit. Im Loch gibt es keine Zeit. Nach dem Loch aber: die Zukunft.

Unsere Zeit, mit Stunden und Minuten, Sekunden und Nanosekunden, mit Arbeitszeit und Freizeit, mit Kinder- und Elternzeit, mit einem von uns als normal angesehenen Rhythmus, sei eine Illusion.

Diese Illusion ist nun zerplatzt

Diese Illusion ist nun zerplatzt wie eine Seifenblase. Die Heim-Zeit hat sich enorm erhöht und wohl auch in den meisten Fällen verlangsamt, für diejenigen, die an der „Front“ arbeiten (wir befinden uns im Krieg, sagte Emmanuel Macron), hat sie sich verschnellert: das Sterben geht schneller, die Arbeit vielleicht „wie im Flug“, wenn jemand an der Supermarktkasse sitzt oder im Krankenhaus arbeitet. Für die LKW-Fahrer, die an der deutsch-polnischen Grenze warten, hat sich die Zeit wohl eher enorm verlangsamt – und vielleicht der Puls erhöht. Bis zu 17 Stunden Wartezeit, die sich dann auf die Verteilungskette überträgt: Müssen wir irgendwann auf Kartoffeln ebenso lange warten wie auf den Mundschutz?

Eines, was vor dieser neuen Zeit schon sehr schnell war, hat noch an Geschwindigkeit zugenommen: die Nachrichtenfrequenz hat sich erhöht – dass das möglich wäre, hätte auch keiner gedacht. Aber auch ihre Relevanz für ihr Leben hat zugenommen. Ständig gibt es neue Verordnungen, Änderungen, neue Zahlen: von Infizierten und von Sterbefällen. Vergleiche der einzelnen Länder, die wieder die Grenzen geschlossen haben, werden beständig aktualisiert, ein Wettrennen um die wenigsten Verluste hat begonnen – doch wer kann das gewinnen?

Unsere neue Zeitrechnung heißt Corona

Unsere neue Zeitrechnung heißt Corona. Sie bringt eine sich rasant entschleunigende Weltwirtschaft, von Wachstum keine Spur mehr. Sie bringt auch Gutes: die Luftverschmutzung nimmt sichtbar ab. Rasant, sozusagen.

Mit der Zeit hängt auch der Ort zusammen. Die neue Zeit, die Corona-Zeit, zwingt uns, Orte anders zu sehen: Da, wo noch vor kurzem viele Menschen zusammen kamen, herrscht gähnende Leere: in Theatern, Konzertsälen, Konferenzsälen. Da, wo Menschen dicht gedrängt saßen, zum Beispiel bei Talkshows, Modeschauen, Auktionen: Leere, wohin man blickt. Zwei Meter Corona-Abstand bei jenen Diskussionen, die noch stattfinden – ohne Zuschauer.

Touristengebiete wie Ischgl, deren ganze Perversion man jetzt erkennt, überlassen der Natur nun gezwungenermaßen den Schnee. Der Apero, sofern er noch schmeckt, wird zuhause getrunken. In den Badeorten, die sich schon auf den Frühlingsansturm vorbereitet haben, herrscht Stillstand. Delphine schwimmen da, wo kurz zuvor noch die Kreuzfahrtschiffe eine besondere Atmosphäre verbreiteten, die zu beurteilen nun Ihnen obliegt.

 

Nicht nur die Zeit hat sich verändert, mit ihr auch alle Orte, die wir kennen. Oder zu kennen glaubten.

Es nimmt uns den Atem

Werfen wir einmal einen kurzen Blick auf den symbolischen Gehalt des Virus: was tut es? Es nimmt uns den Atem. Wir schnappen nach Luft. So wie die Welt (vor Corona) es tat: Sie schnappte nach Luft. Ihre „Lungen“ wurden dem Mammon geopfert. Schlägt sie zurück? Das wissen wir nicht. Manche sehen schon eine Zukunft nach Corona. Wie der „Zukunftsforscher“ Matthias Horx. Auch Sie können sich über die „Zeit danach“ Gedanken machen. Aber zuerst einmal geht es um die Gegenwart.

Was wir wissen wollen ist: Wie erleben Sie die „neue Zeit“? 

Wie erleben Sie die „neue Zeit“? Erscheint sie Ihnen zu lang, weil Sie das, was Sie tun wollen, nicht tun dürfen? Oder vergeht Ihre Zeit schnell mit neuen Entdeckungen und Tätigkeiten: einfach mal geradeaus schauen, den Teppich schamponieren,  neue Rezepte ausprobieren – oder die Kinder (neu) entdecken? Wer sind diese Menschen, die vor der neuen Zeit immer schon brav im Bett lagen, wenn Papa/Mama nachhause kam?

Schreiben Sie Ihr Corona-Tagebuch

Schreiben Sie Ihr Corona-Tagebuch: Auch Sie können mit neuen Augen in Ihre Welt schauen, die sich ja drastisch verkleinert hat: Was sehen Sie? Schildern Sie uns: Ihren Blick in Ihr Wohnzimmer, auf Ihr Sofa oder vom Sofa in den Raum, vielleicht haben Sie eine neue Perspektive auf Ihr Bücherregal gewonnen? Oder vom Balkon in die Nachbarschaft, die sich jetzt manchmal zu gemeinsamem Gesang zusammen findet, oder der Blick hinter die Türen der Nachbarn, denen Sie die Einkäufe in gebührendem Abstand überreichen?

Nutzen Sie Ihre Vorstellungskraft und Ihre Energie, die neu gewonnene Freiheit, die Sie vielleicht als Gefangenschaft empfinden, um selbst tätig zu werden. Halten Sie Ihre Beobachtungen fest. Ob als Video-Tagebuch oder als Text – ggf. mit Illustrationen. Videos nehmen wir entgegen, wenn sie nicht mehr als 256 MB umfassen.

 

 

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