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Prokrastination

Prokrastinieren Sie: richtig!

Sie wollen ein Buch schreiben? Ach nö! Prokrastinieren ist besser

Es gibt Menschen, die wollen ein Buch schreiben. Sie nehmen sich das ernsthaft vor, haben eine Idee, ein Thema, vielleicht einen Beginn, manchmal sogar schon mehr als fünfzig Seiten. Doch dabei bleibt es erst einmal. Wir prokrastinieren ja so gerne. Das können wir richtig gut.

Vielleicht, so denke ich mir, ist das ja der Garant dafür, immer froh und glücklich zu sein. Denn wie schlecht muss sich einE AutorIn fühlen, wenn das Buch erst mal fertig geschrieben ist. Da fällt man doch in ein tiefes schwarzes Loch, aus dem man am Ende gar nicht mehr heraus findet. Deshalb ist es wirklich ratsam, richtig zu prokrastinieren. (procrastinare stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „auf den nächsten Tag“, also aufschieben bedeuten.)

Anleitung zum richtigen Prokrastinieren

Deshalb erhalten Sie hier jetzt eine Anleitung für das richtige Prokrastinieren. Wenn Sie Ihr Buch NIE zuende schreiben möchten, dann tun Sie folgende Dinge:

  • Setzen Sie sich an den Schreibtisch und nehmen Sie sich fest vor, an Ihrer Erzählung weiter zu schreiben. Aber da klingelt das Telefon. Rennen Sie hin, halten Sie den Anrufer möglichst lange fest, am besten so lange, bis Sie zu Ihrem nächsten Termin aufbrechen müssen. Glück gehabt: heute nur ein oder zwei Worte geschrieben!
  • Bereiten Sie sich gewissenhaft auf Ihren Schreibtermin vor und fahren Sie den Computer hoch, Sie wissen ja schon , wie Sie weiter schreiben wollen. Da fällt Ihnen ein, dass Sie ja unbedingt noch staubsaugen müssen. Husch ab zum Sauger und fröhlich durch die Wohnung geschoben. Danach sind Sie so kaputt, dass Sie sich erst einmal hinlegen müssen. Bavo! Gar kein Wort geschrieben.
  • Wenn Sie tatsächlich am Schreibtisch sitzen und die Datei geöffnet haben, an der Sie weiterschreiben wollen, schauen Sie doch schnell noch Ihre Mails durch, die neuen Postings bei facebook, Instagram oder Pinterest an, lesen Sie schnell noch die paar Artikel, die Sie schon lange lesen wollten und vergessen Sie nicht, Ihre Whats-App-Nachrichten zu beantworten … Oder spielen Sie doch gleich Ihr Lieblingsspiel. Super Leistung, so schreiben Sie garantiert kein einziges Wort.
  • Nun wollen Sie sich aber doch einmal wirklich intelligent überlisten und nehmen sich vor, im Café zu schreiben. Sie suchen ein Café aus, in dem Sie garantiert Bekannte treffen. Wie gut, wenn die sehen, dass Sie gerade vor einem Blatt Papier sitzen und den Stift dazu nutzen, um sich an der Stirn zu kratzen. Die Bekannten kommen an Ihren Tisch, und sie sprechen ein bisschen über Ihren Roman, Sie können sicher sein, dass Ihre Freunde viel Achtung vor Ihnen haben. Deshalb lassen die sich auf das Glas Wein einladen, außerdem haben Sie sich ja schon so lange nicht mehr gesehen und so viel zu erzählen … Gut gemacht! Auch das ist wieder schön prokrastiniert.

Wenn Sie sich auf diese Weise (Abwasch, Termine mit den Kindern und Enkelkindern, Hausputz, Fensterputz, dringende Einkäufe erledigen …) erfolgreich vorm Schreiben gedrückt haben, spüren Sie aber vielleicht doch das schlechte Gewissen, das an Ihnen nagt.

  • Nun müssen Sie härtere Geschütze auffahren: Sagen Sie sich, dass Ihre Idee sowieso nicht gut ist, dass niemand das lesen möchte, was Sie schreiben wollen; versichern Sie sich, dass Sie das literarische Handwerk nicht beherrschen, dass Sie sowieso nicht mehr jung genug sind, um berühmt zu werden; sagen Sie sich immer wieder vor, dass Sie den Literaturbetrieb hassen und froh sind, nichts darin zu tun zu haben! Seien Sie sich gewiss, dass Ihre Mama, Oma, Lehrerin, Papa, Ehemann (-frau) und SIE SELBST (insgeheim) schon immer wussten, dass Sie überhaupt nicht dazu taugen, ein Autor, eine Autorin zu werden.
    Jetzt haben Sie es geschafft, Sie haben die Lösung gefunden, um richtig zu prokrastinieren. Geben Sie Ihr Projekt einfach auf, sehen Sie fern und lesen Sie die Bücher von anderen. Dass Sie irgendwann einmal das dringende Bedürfnis verspürten, ein Buch zu schreiben, schieben Sie so weit von sich weg wie möglich.

Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann prokrastinieren Sie noch heute.

Verwirklichen Sie Ihren Schreibwunsch

Diese nur leicht übertriebene Darstellung der Selbstverhinderung des Schreibens können Sie leicht umkehren und aus der Prokrastination herausfinden und Ihren Schreibwunsch verwirklichen:

  • Gehen Sie NICHT ans Telefon, wenn es während Ihrer Schreibzeit klingelt.
  • Schauen Sie NICHT in facebook, twitter, Instagram etc. nach,
  • lesen Sie NICHT die vielen interessanten Artikel, die man Ihnen sekündlich unterschiebt: Schalten Sie das Internet aus.
  • Machen Sie keinen Abwasch,
  • lassen Sie Andere staubsaugen,
  • gehen Sie in ein Café, in dem Sie garantiert keine Bekannten treffen und
  • sagen Sie sich die positiven Formeln immer wieder auf:
    Ich habe ein interessantes Vorhaben. Meinen Roman schreiben! … Ich werde es schaffen, denn ich schreibe täglich eine halbe Stunde. Schreibseminare unterstützen mich und ich gründe eine Schreibgruppe, die mich zwingt, einmal monatlich meine neuen Texte zu lesen. Die Stimmen in meinem Kopf stelle ich einfach ab und tue, was ich schon immer wollte: Ich SCHREIBE

Schluss mit der Prokrastination. Es lebe IHR Roman!

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Foto: Bratt Jordon/Unsplash

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Hanne Landbeck

Bei uns lernen Sie schreiben. Ob in Online- oder Präsenzkursen, schreibwerk berlin bietet Ihnen die Begleitung für Ihr Schreibprojekt, die Sie benötigen.

Comments (9)

  • Annette Marquard-Mois

    Liebe Hanne,
    hier eine kleine lateinische Wortkunde von einer unverbesserlichen Besserwisserin: procrastinatio: die Vertagung, crastinus: morgig.
    Nicht zuletzt dank Deinen Ermutigungen bin ich bis jetzt nicht in besagte Falle getappt, sondern kämpfe redlich am Computer für die Geschichte meiner Agnes 🙂
    Meine Falle ist eher der Perfektionismus…
    Herzliche Grüße
    Annette

  • Echt krass diese Tipps gegen Prokrastination! Da melde ich mich doch gleich HODIE und nicht erst CRAS für den Kurs bei Tanja Klemm an. Ich könnte gleich beginnen, aber wenn Eva de Voss (Wir waren mal im selben Kurs) oder sonst jemand mitmacht, wäre die Verschiebung des Kursbeginns auch recht. Bei Eva sprechen vielleicht das breite Vorwissen und die hohen Klausurstöße dagegen, aber die Gnade der frühen Geburt hat auch ein paar positive Seiten.

  • Friederike Frodermann

    Voll erwischt! Voll krass! Aber, hoch verehrte Schreiblehrerin, welch schreckliches Wort. Wo haben Sie das ausgegraben? Es hört sich so kratzig an (und irgendwie auch unanständig), dass ich auf der Stelle mit diesem frivolen Tun aufhören werde und ihn endlich weiterschreibe, meinen Roman. Glückwunsch zu dem Text über das Pr…., (nein ich wiederhol’s nicht, das Unwort). Hätte gern noch mehr geschrieben – geht, nicht, das Telefon klingelt!
    Drum ganz schnell Tschüss,
    Friederike

  • Super, Genossin Landbeck!
    Freue mich auf die Zeit in Schreibwerk Kreta und stürze mich übergangsweise in den Frondienst für die MAZ.
    Hanne, ich bewundere Dich immer noch für Deine Kreativität und Energie.
    Auf bald und ahoi!
    Lothar

  • „Prokrastination“ – habe ich noch nie gehört – werde ich mir aber merken!
    Wie oft habe ich schon „prokrastiniert“:
    – statt größere akademische Texte zu verfassen, die Bude gesaugt
    oder die Bücher im Regal neu geordnet oder völlig überflüssigerweise
    irgendwelche Speisen zubereitet und gegessen (-> Hüftgold!)
    – statt e n d l i c h mit der Korrektur von grottenschlechten Grundkurs-
    klausuren zu beginnen, die Bude gesaugt, oder die Bücher im Regal
    neu geordnet oder völlig überflüssigerweise irgendwelche Speisen
    zubereitet und gegessen (-> Hüftgold!)
    Danke für das neue Wort und viel Erfolg denen, die ihren Roman nun endlich in Angriff nehmen wollen!
    Eva de Voss

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