Veroeffentlichung

Die Jury hat gesprochen – Gewinnertext ist „Der Zwiebelkuchen“

22 Jury-Mitglieder

Vielen Dank an alle, die sich am Wettbewerb Food-Writing beteiligt haben: An die vier AutorInnen und an die zweiundzwanzig (22!) selbst ernannten Jury-Mitglieder. Es hat Spaß gemacht, mitzuerleben, wie Sie uns die Arbeit abgenommen haben. Vielen Dank!

Gewonnen hat „Der Zwiebelkuchen und die Suche nach dem Glück“ mit dem eindeutigen Votum von 17 von 22 abgegebenen Stimmen – abgegebene Stimmen bedeutet, dass per Mail an schreibwerk berlin das jeweilige Votum geschickt wurde.

2 Stimmen  erhielt Text 1, Plädoyer für eine Wurst, die beiden anderen Texte je eine Stimme. Den drei MitbewerberInnen, die heute leer ausgehen, gilt unser großer Dank und die Hoffnung, dass sie Freude am Schreiben hatten. Auch möchten ich ihnen zurufen: schreibt weiter, verliert weiter, das ist der richtige Weg bis zum Gewinn (fail, fail again, fail better).

Gewinnerin ist Marita Brenken

Marita Brenken hat die Teilnahme am Online-Kurs Food-Writing gewonnen. Sie lebt in Berlin und hat sogar schon ein Buch übers Essen&Lieben geschrieben: Vom Essen und Lieben.


Stellvertretend für alle mit dem Votum abgegebenen Begründungen sei hier jene von Frau Martina Arnold genannt:

Platz 1 Zwiebelkuchen.
Begründung: Sehr sinnlich schöne Beschreibung des Zubereitens, geschickt verwoben mit Ebene 1: Die Sehnsucht nach dem Sohn und Ebene 2: der TV Sendung.
Man folgt der Köchin und Mutter sehr gern, hat Sympathie für ihre Gedanken und Gefühle. Das ist einfach gut geschrieben, mit viel Warmherzigkeit.

Die Texte wurden mit Kommentaren versehen, auch hier wieder eindeutig: Für den „Zwiebelkuchen“ gab es 12 Kommentare, die „Wurst“ erhielt 3 Kommentare, ebenso „Endstation Essen“.

Zu unserem Online-Special „Food-Writing“ nehmen wir gerne noch Anmeldungen entgegen: Start ist der 17. Januar 2019.

Hier können Sie noch einmal alle Beiträge nachlesen.

Wettbewerb Food Writing – Die Beiträge

 

Die Ausschreibung lautete folgendermaßen

Wettbewerb: Schreiben Sie einen Text (bis zu 5 Seiten) über ein Essen in der Weihnachtszeit. Schicken Sie uns den Text bis zum 31. Dezember (info@schreibwerk-berlin – Betreff: Wettbewerb Food-Writing). Gewinnen können Sie die Teilnahme am Online-Kurs Food-Writing. Der führt rund ums Essen zu Blog- oder literarischen Texten oder zu Essays. Der Kurs dauert drei Wochen und präsentiert jeweils in einem Anregungstext das Thema, danach sind die TeilnehmerInnen aufgefordert, ihren aktuellen Text zu schreiben. Erlaubt sind dieses Mal auch Fotos und Instagram-Texte.

 

 

Walnüsse

Wettbewerb Food Writing Text Nr. 4 – Endstation Essen

Walnüsse spielen auch eine Rolle bei „Endstation Essen.
Beachten Sie auch unsere Themen-Specials, z.B. Food-Writing

Tagelang Walnüsse geknackt – oder: Endstation Essen

Walnüsse

Die Gänsebrust duftet verführerisch, ein wenig vergoren, wie es dieses Fleisch, meine ich, an sich hat und leicht säuerlich herb der Rotkohl, die Klöße prall nach Sättigung, die Soße würzig und ein bisschen nach was Verbotenem. Ah und Oh, lass es dir schmecken, tönt der Familienchor. Meine Frau wendet sich an meine Eltern. Vielen, vielen Dank ihr Lieben, das sieht richtig, richtig lecker aus und wie das duftet! Meine Schwester sagt, lass es dir munden.

Ich sehe es sofort vor mir: Die Lippen öffnen sich, die Speise darf rein, rauf auf die Zunge, der Gaumen will schmecken, die Zähne wollen kauen, die Muskulatur will arbeiten, die Chemie feiern – es sei denn, es läge wirklich ein ganz grober Irrtum vor. Dann müsste man sich, weil eingebaut in die Tischordnung und ohne die geringste Chance, noch rechtzeitig an den Ort zu gelangen, wo man gleichzeitig erbärmlich elend und unendlich erleichtert sein kann, ins Familienrund übergeben.

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Zwiebelkuchen

Gewinnertext von Marita Brenken – Zwiebelkuchen und die Suche nach dem Glück

Zwiebelkuchen und die Suche nach dem Glück – Text Nr. 3 zum Food-Writing

Herzlichen Glückwunsch an Marita Brenken! Die Autorin lebt in Berlin und hat sogar schon eine Anthologie mit Kurzgeschichten veröffentlicht, die direkt zu unserem Thema passt: Vom Essen und Lieben

 

Zwiebelkuchen und die Suche nach dem Glück

 

Die Tränen laufen ihr über die Wangen. Sie streckt die Arme ganz nach vorne, um so weit wie möglich von den Zwiebeln entfernt zu sein. Sie weiß, dass ihr der schweflige Stoff Isoalliin das Wasser in die Augen treibt. Ein Stoff, der die Pflanze vor Fressfeinden schützen soll, wie Ratten und Mäuse, aber keine Chance hat gegen den Menschen, seinen Hunger und seine scharfen Küchenmesser. Sie wischt sich mit dem Ärmel ihrer Bluse übers Gesicht, um besser sehen zu können. Im Fernsehen sucht Horst Lichter das Glück auf seinem Motorrad zusammen mit Hardy Krüger junior. Sie hätte auch gerne mal wieder ein wenig Glück. Besonders heute am Heiligen Abend. Sie hat schon lange nicht mehr vor Glück geweint, sie kann sich kaum mehr an das Gefühl erinnern, das irgendwo in der Körpermitte seinen Ursprung hat, und dann durch den Brustkorb hinaufschwappt, wie eine große schäumende Welle und sich aus den Augen heraus ergießt. Jetzt gerade wäre so ein Gefühlsausbruch allerdings sehr störend. Sie muss Herz und Hand unter Kontrolle halten, um die Zwiebeln in zarte dünne Ringe zu schneiden.

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St. Antoine Kindheitssommer

Le Bassin – Siegerbeitrag von Matthias Pieper zum Wettbewerb Kindheitssommer

Wettbewerbsbeitrag Nr. 4 von Matthias Pieper, Platz 1

Le Bassin

Unser hellblauer VW Käfer

Unser hellblauer VW Käfer fuhr mit klingelndem Auspuff am Flüsschen Furand entlang die letzten kurvigen Kilometer Landstraße von der Route Nationale zu dem alten Kloster Saint Antoine in der Nähe von Grenoble.
Das war 1977, ich war 10, meine Eltern hatten sich gerade getrennt. So fuhren meine Mutter, meine Zwillingsschwester und ich zu dritt in den Urlaub nach Frankreich. In einem Käfer war das eine lange Fahrt, stundenlang auf Autobahnen, mit einem Dachgepäckträger voller hell- und dunkelbrauner Kunstlederkoffer oben drauf.
Ich hatte einen neuen Stoffaffen, genannt Herr Nilsson, aus dessen Kopf oben eine Schnur mit einer weißen Perle am Ende herauskam. Zog man sie heraus, spielte eine Spieluhr im Innern „Weißt du, wieviel Sternlein stehen?“

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episches Präteritum

Es war … Beitrag zum Wettbewerb Kindheitssommer von Brigitta Scherleitner

Es war

Beitrag Nr. 10 von Brigitta Scherleitner zum Wettbewerb Kindheitssommer Platz 3 nach Juryvotum (geteilt)

 

Es war… Ein Kindheitssommer

einer dieser Sommer mit Morgenkühle und blankem Himmel, der Freude auf Abenteuer, überwucherten Beeten der Gärtnerei, dem alten Zaun mit gebrochenen Latten, die lose hingen an rostigen Nägeln, umgestürzten Marmorsteinen, deren ausgewaschene Buchstaben der Nachwelt erzählten, von wessen Grab sie stammten, in deren Nähe wir gerne spielten und Reden hielten zur Ehre derer, deren Leben wir erdachten, schmalen Gleisen, zwischen denen Löwenzahn wuchs und Wegwarte, dem steilen Hohlweg, der in den Wald führte, sperrigen Wurzelstufen, über die wir aufwärts sprangen, voller Freude und Erwartung, dem Wäldchen zu, in dem es so still war, dass wir unsere Schritte knacken hörten auf der Nadelstreu, wo das Sonnenlicht geheimnisvolle Flecken auf den Boden zauberte, der großen Lichtung mit den vielen Brombeersträuchern, die wir durchpflügten, trotz der Stacheln, die unsere Beine und Arme zerkratzten, nur die schwarzen Beeren im Sinn, deren süßer Saft unsere Lippen rot färbte, dem Hügel mit der bunten Sommerwiese, wo wir uns voller Lust ins hohe Gras warfen, zwischen leuchtend roten Mohn und Pechnelken, Wiesensalbei und Margeriten, und uns darauf freuten, den Hang hinab zu rollen, schneller, immer schneller, bis wir am Fuße des Hügels zum Stillstand kamen, uns aufrichtend, die Kleidung von Gras und Halmen befreiten, mit einem kleinen Gefühl der Schuld, wegen der vielen Grasflecken auf Hemd und Hose, mit denen Mutter viel Arbeit haben würde.

 

Wenn auch Sie unsere Kurs testen möchten, bitte hier lang!

Foto: Valeriy Andrushko (Unsplash)

Kindheitssommer

Der letzte Sommer – Wettbewerbsbeitrag von Diana Khazaka

Der letzte Sommer

Beitrag zum Wettbewerb „Kindheitssommer“ – von Diana Khazaka, 2. Platz

Helikopter wie große Libellen

Über unseren Köpfen brummten die Helikopter wie große Libellen. Sie störten den perfekten Sommerhimmel, beendeten unsere Kindheit und der ganze Ort stand Kopf.
Kennt ihr das? Wenn ihr an die Kindheitssommer denkt? Sommer, wie in den alten Astrid-Lindgren-Filmen, in denen die Sonne scheint und alle Farben gestochen scharf erscheinen. Eine Sommerfarbe am Himmel und ein Dunkelblau vom Meer verziert mit weißen Schaumkrönchen. Leuchtende gelbe Sanddünen, die sich gegen den Horizont abzeichnen, gesprenkelt mit saftigem Grasgrün und Dunkelgrün und den hellen Wedeln, die uns beim Verstecken-Spielen im Gesicht kitzeln. Poliertes, graues Treibholz am Strand, das darauf wartet, gefunden zu werden. Ein Sommer, der nach dem Wind in den Haaren schmeckt und nach Salz vermischt mit der Limonade aus schwarzen Johannisbeeren, die bei jedem unserer Picknicks dabei sein muss. Der Geruch der Sonne auf der Haut und von Sonnencreme, mit der wir eingeschmiert werden, wenn wir morgens nicht schnell genug entkommen können. Mövengeschrei, Fahrradklingeln und Freiheit, bis zur allmählichen Dämmerung, in der die Luft orange vibriert und wir vom Strandaufgang zum Abendessen gerufen werden.

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Frühling

Frühling – von Stephanie Schwarzelbach

Frühling

Am Bett ihrer kranken Mutter

Der Winter war lang in jenem Jahr. Tag für Tag und Stunde um Stunde saß sie in dieser dunklen Jahreszeit am Bett ihrer kranken Mutter, las ihr vor, erzählte ihr kleine Anekdoten von früher und versuchte, sich die Angst vor dem nahenden Ende nicht anmerken zu lassen. Und dann war die Mutter in der Nacht gestorben, einfach so. Obwohl die Tochter darauf vorbereitet war, traf sie das Gefühl des Verlustes doch mit einer Wucht, die sie nicht für möglich gehalten hatte.Frühling

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Tulpen

Frauentag – von Stefan Gross

Frauentag

Frauentag ist der Beitrag zum Wettbewerb „Frühling“ von Stefan Gross – einer der drei Gewinner-Texte

Wie nach einem Dauerlauf

Wir waren in Tegel verabredet, um sechs am Gate. Ich war schon deutlich früher da, kann einfach nicht auf den letzten Drücker fliegen. Mein Nervenkostüm zwickte und kratzte wie blöd und mein Kreislauf war in Wallung wie nach einem Dauerlauf. Auch ohne Spiegel wusste ich, dass sich eine Seenplatte aus roten Flecken in meinem Gesicht gebildet hatte. Ich hatte mir eine Überdosis Guarana (einen Esslöffel voll!) in den Joghurt gepackt, um in die Gänge zu kommen. T.C. Boyles Terranauten hatten mich um den Schlaf gebracht. Ich wollte unbedingt wissen, wie es ausging. Um drei hatte ich das Buch erschöpft zur Seite gelegt. Als um vier der Wecker klingelte, glühte mein heiß gelaufenes Gehirn immer noch und war ziemlich durcheinander. Ich hatte was geträumt, von einem eigenartigen Ort im Dschungel, ich trug ein Menschenkind auf dem Arm, vielleicht war es auch ein Primatenbaby.

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