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Erotisch schreiben: mehr verbergen als zeigen

Erotisches Schreiben und die Tabus

Erotisches Schreiben hat – wie die Erotik selbst – sehr viel mit Tabus zu tun. Tabus sind da, um übertreten, verletzt zu werden. Besonders in der Literatur.

Beispiel: Vladimir Nabokov, Lolita

“Lolita. Licht meines Lebens. Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo. Li. Ta.
Sie war Lo, einfach Lo am Morgen, wenn sie vier Fuß Zeh groß in einem Söckchen dastand. Sie war Lola in Hosen. Sie war Dolly in der Schule. Sie war Dolores auf amtlichen Formularen. In meinen Armen aber war sie immer Lolita.”

so beginnt Vladimir Nabokov seinen 1955 erschienenen, Skandal produzierenden Roman “Lolita”. Die amerikanische Stadt gleichen Namens stellte einen Antrag auf Namensänderung, so anzüglich war die Geschichte um den 37jährigen, der die 12jährige Lolita liebte, und deren Mutter heiratete, um dem Mädchen nah sein zu können.

Erotik und Spannung

Erotik und ihre Spannung haben also auch immer etwas mit Verboten, gesellschaftlichen und religiösen Tabus zu tun, stets auch mit Andeutungen und vor allem mit drohenden Gefahren. Doch wie soll man in heutigen Zeiten des allzeit bereiten (Internet)Pornos und der sanfteren Schilderungen in Shades of Grey noch erotische Literatur schreiben, die etwas Neues, noch nie dagewesene Spannung offenbart? Und zwar so, dass Eltern die Bücher im Nachttisch vor ihren Kindern verstecken, ggf. auch vor dem jeweiligen (Ehe-)Partner?

“… Er wischt sich das Wasser aus dem Gesicht und legt ein Kleidungsstück in seinen Schoß. Ein Körperteil das ich kenne, seit ich auf der Welt bin, ist in einem Zustand, in dem ich es noch nicht kenne. 
“Ein Mal?” frage ich. 
“Ein Mal”, sagt er und es ist wie ein Schwur. 
Ich habe seine Hände vor Augen, die, schwarz verschmiert, mein Fahrrad reparieren oder mühelos das Surfsegel aus dem Wasser ziehen, er ganz nah hinter mir, seine Finger neben meinen am Gabelbaum. Jetzt liegt eine davon auf meiner Brust und ich merke wie mir mehrere Sinne vorübergehend ausfallen. Sein verwandeltes Stück Körper steht von ihm ab, ich kann kaum fassen, dass es schon immer da gewesen sein soll …”

so schreibt Franziska Hauser ….

Unsicherheiten aushalten

… und zeigt die erotische Situation als eine “andere”. Von einem Moment auf den anderen verändert sich das Verhältnis zwischen den Menschen, entstehen Unsicherheit und Spannung, sind Protagonisten und Leser(innen) beklommen, denn sie wissen nicht, wie es weitergeht. Sie sind bereit, Urteile zu revidieren, den Anderen im spannungsvollen Licht zu sehen, ihre Unsicherheit auszuhalten und am Ende vielleicht gar zum Äußersten zu kommen.

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Photo by Dainis Graveris on SexualAlpha

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Hanne Landbeck

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