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Hauser

Franziska Hauser auf der Burg Beeskow

Franziska Hauser – wo ist sie?

Viele fragen sich, wohin es Franziska Hauser verschlagen hat. Denn sie müssen auf die monatlichen Kreativ-Schreibstunden im Prenzlberg verzichten – bis auf Weiteres. Das heißt, bis Mitte des Jahres. Denn Franziska, die seit 8 Jahren auch für schreibwerk berlin arbeitet, sitzt im Turm – und friert, wie sie selbst sagt.

Also ist die Sache als Burgfräulein auch nicht so einfach. Da wünscht sich eine Autorin, die ihre bisher fünf Romane immer irgendwo im Stehen oder in einer Pause von der Elternarbeit geschrieben hat, in Ruhe wenigstens einen Roman schreiben zu können. Aber diese Ruhe ist kalt. Doch Franziska kann sich in jeder Situation helfen.

Franziska ist nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Fotografin. Immer wieder begeistert sie mit Impressionen aus dem Berliner Umland – hier ein paar Beispiele aus jüngster Beeskow-Zeit:

Beeskow

 

 

Hauser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Burg Beeskow

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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In Beeskow erfüllt sich Franziska Hauser  den großen Wunsch nach Ruhe zum Schreiben. Bisher schrieb sie immer zwischendurch, sie ist Mutter zweier Kinder und bringt sich mit vielen Nebenjobs durchs Leben – da bleibt also wenig Zeit, um an einem Stück wie Thomas Mann – geschützt vor den Familienmitgliedern – schreiben zu können. Aber wer wirklich schreiben will, kann das auch mit einem geringen Zeitbudget, dafür ist Franziska Hauser das beste Beispiel.

Doch dass dies nicht ohne Konflikte abgeht, erzählte sie selbst im Podcast (Quelle Franziska Hauser):

Das war wirklich teilweise ein Kampf mit mir selbst. Nicht zum Schreiben zu kommen, bzw, sich selbst davon abhalten zu müssen, weil man im sozialen Gefüge funktionieren will, das ist genauso wie Hunger haben, oder nicht schlafen dürfen.

Dieser Konflikt schlug natürlich auch in dem Moment wieder zu, als die Zusage kam. Ich wusste, ich muss das noch meinem Mann und meiner Tochter, die noch zu Hause wohnt beibringen, bevor ich mich darüber freuen kann. Insofern kam die Freude ein bisschen verzögert. Aber was lange dauert, ist vielleicht letztendlich haltbarer. Ich lass mich eh nicht so leicht euphorisieren. Aber dafür eben auch nicht so leicht deprimieren.

Wahrscheinlich wird sie sich ganz merkwürdig fühlen mit der vielen Zeit – aber wenn sie mal gerade nicht in die Tasten haut, dann hat sie ja ihr zweites Standbei: die Fotografie. Wie die Bilder beweisen, nutzt sie den Apparat oft und labt ihr Auge an der Natur.

Diese Doppelbegabung kommt nicht von ungefähr, denn Franziska ist “Synästhetikerin”. Sie verbindet also zwei (mindestens) Bereiche miteinander und koppelt sie. So zum Beispiel Zahlen mit Farben. Sie sagt selbst, dass damit eine große Schwierigkeit – vor allem im Hinblick auf das Schreiben – einherging. Aber, wie jede Heldin im Roman, hat sie diese überwunden:

Ich habe zwar immer geschrieben, ich dachte aber ich hätte nicht das Recht die Worte zu benutzen, weil ich sie nicht richtig schreiben kann. Ich bin Legasthenikerin und dachte, ich darf nun mal nicht schreiben.

Vier Prozent aller Menschen sind Legastheniker. Das ist eine genetische Disposition, die ohne generelle Minderbegabung oder fehlende Bildung auftreten kann. Bei Synästhetikern sind die Gehirnverbindungen so anders, dass die Mängel durch seltsame Fähigkeiten, wie zum Beispiel ein fotografisches Gedächtnis ausgeglichen werden. Meine Eltern und meine Tochter sind auch Legastheniker mit Syästhestesie. An Zahlen und Buchstaben denken wir in Form von Farben, Materialien, oder sogar Tönen. In meiner Vorstellung ist beispielsweise der Buchstabe F aus glattem grünen Gestein mit schwarzen Flecken. Worte, die zur selben Gruppe gehören, sind für mich in anderen Gruppen verteilt, die mit der deutschen Rechtschreibung leider nichts zu tun haben. Beim Schreiben lege ich ein, für mich unlogisches, aber gültiges System über mein Logisches aber ungültiges. Da sich mein falsches System jetzt nichtmehr ändern, sondern nur durch das Richtige erweitern lässt, ist es als würden zwei Schreibprogramme aus unterschiedlichen Betriebssystemen gemeinsam funktionieren müssen. Das Richtige nur auf der Grundlage des Falschen. So funktioniert das Richtige nie ganz korrekt. Es ist schon eine Art Behinderung, die aber auch zu einer Bereicherung werden kann, weil man eben andere Wege finden muss.

In Beeskow wird Franziska Hauser an ihrem fünften Roman arbeiten: “Herbstarrest” – so lautet der Arbeitstitel und er handelt

von einer Frau, die relativ vernachlässigt in eine Kommune aufwächst und mit ihrer seltsamen Prägung dann in die Stadt kommt und erstmal die grundlegenden Dinge lernen muss, die wir für selbstverständlich halten.
Es ist dann die Geschichte eines rasanten Aufstiegs und tiefen Abstiegs.

(O-Ton FH)

Alle ihre Romane haben Frauen als Protagonistinnen, selbstverständlich spielen auch Männer eine Rolle. Ich vermeide hier das Attribut “stark”, denn Franziska ist es wahrscheinlich lieber, dass ihre HeldInnen nicht so stark sind, wie sie letztendlich dann doch handeln. Immer sind es die Brüche, die die Geschichten und Personen interessant machen.

Drei Stunden am Tag will sie an ihrem neuen Roman arbeiten, in dem es um ein Kommunenkind aus der Großstadt geht, das in die Lebenswirklichkeit fällt.

Wir wünschen ihr viel Erfolg und freuen uns, wenn sie nach dieser Klaus auch wieder bei schreibwerk erscheinen wird.

 

In der Süddeutschen Zeitung gab es kürzlich einen Artikel über Franziska Hauser auf der Burg Beeskow

Alle Fotos Franziska Hauser, außer dem Titelfoto, das ein Junge auf der Straße von ihr machte.

Narrative

Wie funktionieren Narrative?

Wie funktionieren Narrative?

Narrative entfalten eine große Kraft. Wo wir gehen und stehen, arbeiten und leben, erzählen wir. Man nennt den Homo sapiens auch den Homo narrans, den erzählenden Menschen, und meint damit sicher alle möglichen Geschlechter.

Wir erzählen uns selbst Geschichten, wenn wir allein sind, wir tellen Storys, wenn wir mit Familie und Freunden zusammen sind. Ebenso sprechen wor über Politik und Gesellschaft meist in Narrativen.

Die Hebb’sche Lernformel besagt: je öfter Neuronen zusammen „feuern“, desto intensiver merken wir uns die damit verbundenen Anlässe. Wenn diese Anlässe als Story daherkommen, haben wir mehr Möglichkeiten zur (inneren) Re- und Aktion. Wir empfinden etwas, wir denken, wir stellen uns etwas vor, wir fiebern mit den HeldInnen der Geschichte. Je besser das Narrativ funktioniert, desto mehr fühlen wir uns mit ihm verbunden. Die Essenzen dieser Geschichten formen sich zu Glaubenssätzen und wirken auf unser Leben.

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Fitktion

Fiktion und ihre erstaunliche Macht. Was wäre, wenn …?

Fiktion und ihre erstaunliche Macht

Die kapitale Macht der Fiktion entfaltet sich durch die Frage “Was wäre, wenn …” Die Frage ermöglicht der Fantasie, in Szenarien zu denken. Sie kann uns auch heitere Momente bescheren:

Was wäre,

… wenn ein gewisser Herr in Moskau (der ja irgendwie krank zu sein scheint – außer seinen irrsinnigen Taten deutet darauf auch sein aufgedunsenes Gesicht) einfach vom Stuhl fiele und unter dem überlangen weißen Tisch läge? Bewegungslos. Ohne Atem. Herzstill?

Man würde ihm für diese einzige gute Tat ein schönes Begräbnis bescheren: Der weiße Tisch wäre schnell in einen Stretch-Sarg verwandelt, auch die Stretch-Limousine fände darin Platz. Sicher auch die Jacke für zwölftausend Euro.

Ach, ein schöner Gedanke!

Er hat sich sowieso in die Isolation manövriert. Und dahin führte ihn – ein Was wäre wenn-Gedanke, also eine Fiktion.


Russland ist nicht mehr wichtig genug? Die USA drohen damit, die Ukraine in die Nato zu nehmen? Dann greifen wir doch lieber gleich mal an. Ist auch praktisch, dann haben wir bald den fußläufigen Zugang zur Krim, so können wir mit der Stretch-Limousine schöne Sonntagsausflüge machen. All unsere Bewunderer winken mit kleinen Russland-Fähnchen. Mit den neuen, die haben das Z drauf.
(Weiß der Teufel, was das bedeutet.)

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kreatives schreiben

Schreiben lernen – anregend, erfrischend und unterhaltsam

Schreiben lernen: Anregend, erfrischend und unterhaltsam

Sie wollen schreiben lernen?

Unsere Kurse Kreatives Schreiben – egal ob online oder in den Präsenzworkshops in Potsdam (auf der Freundschaftsinsel) Berlin (Galerie feinart) und auf Kreta – führen die TeilnehmerInnen einfach und entspannt zum Schreiben lernen. Anfangs arbeiten wir mit Stichworten, damit das Schreiben erst einmal einfach ist. Sie überlegen sich, welche Erwartungen Sie an den jeweiligen Kurs haben. Danach legen Sie in Stichworten fest, was das Schreiben für Sie Positives enthält – und etwas später das Negative.

Also all das, was Sie bisher am freien Schreiben gehindert hat. Die Blockaden aufzuspüren, sie zu sehen und zu “bannen” – das ist das erste Ziel jedes der Kurse. Dafür nehmen Sie ein weißes Blatt und schreiben einen nach dem anderen den Grund auf, der sich zwischen Sie und Ihren Schreibwunsch stellt. Anschließend gibt es eine “Wunderheilung” – und zumindest für die Dauer des Kurses sind die Gremlins gebannt. Also sind Sie frei zum Schreiben.

Gerne können Sie einen unserer Online-Kurse eine Woche lang unverbindlich testen.

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Autofiktion

Autofiktion: Über Heimat(en) und Identität(en)

Autofiktion: Nur ein Trend?

Über Heimat(en) und Identität(en) 

Am 19. November schreibt der Perlentaucher  in seiner Bücherschau, dass der “Trend zur Autofiktion” ungebrochen sei. Das ist eine moderne Art der Autobiographie, die mit fiktionalen Elementen arbeitet. Denken wir an Annie Ernaux, die in ihren Büchern wie z.B. „Eine Frau“ als „Meisterin der Autofiktion“ gefeiert wird.

Die Selbstbefragung in der Autofiktion ist freier als beim rein autobiographischen Schreiben. Die Hauptfigur, als „Sozialfigur“ begriffen, steht in einem größeren Zusammenhang (Ernaux schreibt in der dritten Person, vermeidet also das Ich). Die/der ProtagonistIn bildet zwar immer noch das Zentrum der Geschichte, die zeithistorischen Kontexte spielen aber eine wichtige Nebenrolle. Wenn sie nicht sogar als Gegenspieler und damit als weitere Hauptfigur agieren. Jemand will etwas – zum Beispiel zuhause bleiben – doch dann kommen die Zeitläufte daher mit Krieg oder Hunger oder als berufliche Notwendigkeit – und bestimmen über das weitere Leben.

Im Online-Kurs “Das autobiographische Experiment” schreiben Sie Ihre eigene Autofiktion!

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Krise

Von Krisen und Konstellationen: Die ARD-Themenwoche „Stadt.Land.Wandel“

Von Krisen und Konstellationen: Aspekte des Erzählens

Am Beispiel der ARD-Themenwoche „Stadt.Land.Wandel“

Wo es Konflikte gibt, da kochen die Gemüter. Nur eine/r freut sich: die/der AutorIn. Denn in Krisen, Auseinandersetzungen und Streit stecken die besten Geschichten. Was wir im wirklichen Leben vermeiden, ist für das Erzählen konstitutiv. Davon können wir, wenn wir Romane und Geschichten schreiben, profitieren. Der Gegensatz von Meinungen, Menschen und Mentalitäten bringt Entwicklung ins Spiel.

Ein Beispiel: Die ARD beschäftigte sich im November 2021 mit dem Thema: „Stadt.Land.Wandel – wo ist die Zukunft zu Hause?“.

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Prokrastinieren

Prokrastinieren – wie geht das?

Prokrastinieren – positiv gesehen

In crastinum (lat.) bedeutet: der morgige Tag. Procrastinare (oder auf Deutsch: prokrastinieren) meint also so viel wie: auf Morgen verschieben. Alle, die kreativ arbeiten, wissen, wie das Verschieben auf den nächsten Morgen und den übernächsten usw. funktioniert. Und wir alle kennen das schlechte Gewissen, das damit einher geht.

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Dorf

Das Dorf in uns

Das Dorf in uns

Während andere Menschen aus anderen Ländern das Meer in sich („Mar adentro“) haben, schleppen wir Deutschen das Dorf in uns herum. Wir ziehen ins Kleine, andere ins Große. Wir Deutschen lieben die Sicherheit mehr als alles andere. Im Kleinen scheint sie uns gegeben oder zumindest ein erreichbares Ziel. Das war auch schon zu Biedermeier-Zeiten so.

Sicher gibt es gute Gründe für diesen Rückzug in anheimelnde Gefilde. Die Mieten in der Stadt steigen, das Klima spielt verrückt, Flüchtlinge und Kriege kommen (uns) immer näher – und das bald auch noch ohne Angela Merkel! Umwälzungen aller Gesellschaften sind dringend geboten, doch niemand weiß, wie die Zukunft aussehen wird. Wir sind verunsichert. Also gehen wir (mental) erst einmal dorthin, wo wir herkommen – und ziehen aufs (meist norddeutsche) Dorf. Zumindest im Roman.

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