Dieser Bericht ist in dem Online-Special „Schreib&Reise“ im Sommer 2017 entstanden und führt uns in die Arktis.
Helga Knocke, ehemalige Lehrerin, lebt in Berlin
Ich wollte eine Reise ans Ende der Welt machen
Freitag, 13. Juli 2012
Liebe Vera,
sicher erinnerst du dich noch an meinen sechzigsten Geburtstag, den ich – ich war gerade mal vier Jahre in Berlin – im großen Freundeskreis gefeiert habe. Damals war es mir ein Bedürfnis, mein altes und mein neues Leben zusammenzuführen, mit Menschen, die mich in meinem Leben begleitet haben, ein großes Fest zu feiern. Als mein fünfundsechzigster anstand, war mir nach etwas ganz Anderem, ich wollte mir selbst einen Wunsch erfüllen, den ich schon eine Weile mit mir herumtrug. Ich wollte eine Reise ans Ende der Welt machen, weit in den Norden, so weit, wie man mit einem Schiff kommen kann, bis an die Packeisgrenze, ins Reich der Eisbären und Polarfüchse.
Der Charme des weißen Hausesführt Menschen zusammen: Der Text entstand im Speed-Writing als Gewinn des Wettbewerbs „Warum schreiben Sie?“ Das Speed-Writing gibt es bei uns auf Nachfrage.
Claudia Siemon, geb. 1954, Studium Englisch und Russisch in Göttingen und Innsbruck. Lebt in Tirol. Veröffentlichte Fantasy und andere Kurzgeschichten und arbeitet als Sekretärin in Innsbruck.
Charme
Robert Brenning schaute auf den Abzug des alten Stadtfotos und verglich es mit der Szenerie um sich her. Es könnte stimmen, dachte er. Die alten Häuser rundum – nun gut, sie waren Neubauten gewichen, möglicherweise auch im Zweiten Weltkrieg zerstört worden, das Bild war uralt, um 1900 herum entstanden, vielleicht noch früher; mit Mode kannte er sich nicht aus, schon gar nicht mit so altmodischer. Er musste über sein eigenes Wortspiel lachen und sah noch einmal genau hin. Doch, das Haus, das auf dem Foto eine weiße Fassade aufwies, mit dem Erker oder Balkon über der Tür, das hätte sich durchaus in dieses Haus hier verwandeln können; ohne Balkon zwar jetzt, aber der Erker war noch da. Und die Kirche? An Sakralbauten wird nur wenig verändert; eher detailgetreu restauriert. Er bog um die Ecke und stand vor der Seitentür der Kirche. „Ora pro nobis“, stand in großen schwarzen Lettern darüber. Er trat einen Schritt zurück. Ja, das war die Kirche, unbedingt! Die Tür, die Inschrift. Er war am Ziel. Er würde …
„Housekeeping!“ Mathilda klopfte dreimal zügig an die Tür mit der Nummer 326. Gerade als sie in ihrer Schürze nach der Keycard fingerte, öffnete sich die Kabinentür einen Spaltbreit. Eine dicke Nase kam zum Vorschein, rot geädert und feucht glänzend. Mathilda zwang sich den Blick davon abzuwenden und mit dem Gast wie vorgeschrieben höflich lächelnd Blickkontakt aufzunehmen. Das Lächeln gefror ihr auf der Stelle. Piotr Wolkow – so hieß der Mann laut ihrer Liste – starrte sie aus unterlaufenen Augen grimmig an. Die Bartstoppeln der letzten Tage zierten seinen teigigen Teint, ein Schweißfilm bedeckte seine Haut.
„Brauche nicht Housekeeping“, sagte er in gebrochenem Deutsch und entblößte dabei schiefe gelbe Zähne. Der faulige Mundgeruch, der mit den Worten bei Mathilda ankam, verursachte ihr Übelkeit. Sie straffte die Schultern. „Herr Wolkow, Ihre Kabine wurde meinen Aufzeichnungen zufolge seit vier Tagen nicht gereinigt.“
„Augenblick“ entstand im Speed-Writing, dem Gewinner-Kurs des Wettbewerbs „Warum schreiben Sie“. Speed-Writing gibt es auf Nachfrage, Wettbewerbe in unregelmäßigen Abständen.
Milla saß am Fenster und starrte hinaus. Das muntere Treiben ihres Lieblingscafés hatte sie ausgeblendet. Sie hielt ihren Latte zwischen den eisigen Fingern und dachte angestrengt nach. Wie hatte es nur soweit kommen können? Sie hatte sich immer für eine emanzipierte Frau gehalten, die ihr Leben klar vor sich gesehen hatte. Mit dem Volontariat im Museum war sie ihrem Traumberuf der Kuratorin wieder ein Stück nähergekommen. Und die Beziehung zu Till hatte sich anfangs auch genauso gestaltet, wie sie sich das gewünscht hatte. Anfangs. Sie trank einen Schluck Kaffee und stellte das Glas ab. Als ihr Ellenbogen die Tischkante berührte, zuckte sie schmerzhaft zusammen.
„Der Schlafteppich“ entstand im Speed-Writing – der Gewinn des Wettbewerbs „warum schreiben Sie?“. Speed-Writing gibt es auf Anfrage.
iAm sah sich um. Das konnte einfach nicht möglich sein. Absolut unmöglich. Er kniff die Augen zusammen und öffnete sie wieder, in der Hoffnung; alles würde sich nur als böser Traum entpuppen. Von dem braunen Sumpfmann, mit dem er sich die karge Schlafzelle in der Karawanserei geteilt hatte, war nur noch eine zerknüllte Decke zu sehen. Immerhin eine Decke! Denn iAms eigene Habseligkeiten hatten sich buchstäblich in Luft aufgelöst, seine Umhängetasche, seine Schuhe, sein Umhang, Proviant – alles war verschwunden. Man hatte es scheinbar sogar geschafft, ihn während der Nacht von seinem Schlafteppich zu rollen und ihm diesen unter seinem Hintern weg zu entwenden. Schlafteppich
Wie Fantasie zum Glück beiträgt,, beschreibt Toni Richter in diesem Artikel.
Warum ich schreibe – von Tonie Richter
Tonie Richter, 47, lebt in Berlin. Sie studierte Jura in Hamburg und Paris, arbeitet als Juristin, ist verheiratet und hat vier Kinder. Dieser Text entstand zu Beginn des Online-Kurses Literarisches Schreiben
Schreiben in der Nacht
Meine letzte Schreibphase 2016 dauerte von Anfang Oktober bis Anfang November. Ich schrieb abends und bis tief in die Nacht, wenn die Kinder schon schliefen und mein Mann nicht da war. Es war wie in den lange zurück liegenden Zeiten meiner Doktorarbeit, die ich in der letzten, intensiven Phase immer zwischen 19 Uhr abends (nach den Vorabendserien im Fernsehen) und drei Uhr nachts schrieb. Dann schlief ich bis mittags, kaufte ein, kochte (die erste Mahlzeit am Tag war meist das Mittagessen), las am Nachmittag Quellen und Fachtexte, ging in die Bibliothek und machte Recherchen und Notizen. Keine Textproduktion! Dann kam „Verbotene Liebe“ oder „Unsere kleine Farm“ – die Vorabendserien konnten nicht kitschig genug sein – und dann setzte ich mich an den Schreibtisch, hörte Streichquartette und tippte. Das Beste: nachts geschriebene Texte musste ich kaum überarbeiten. Sie waren einfach gut. Versuchte ich die Textproduktion am Vormittag – gar keine Chance. Jeden Satz musste ich dreimal umdrehen.
Kunst und Schreiben bringen wir in zwei Themenspecials zusammen. Der erste Kurs orientiert sich an der wissenschaftlichen Kunstbeschreibung, animiert aber auch dazu, freie Texte zur Kunst zu schreiben. Der zweite Kurs geht assoziativer vor und konfrontiert die Teilnehmer:innen mit Wolkenmalerei, mit Porträts von der Antike bis heute u.v.m. Und vor allem sieht er die Kunst als Anlass für das Schreiben. Hier ein Beispiel eines Textes, der in dem Kurs Kunst und Schreiben entstanden ist. Grundlage ist die Arbeit von Edward Hopper, Sitzabteil, aus dem Jahr 1965
Story aus dem Kurs Kunst-Geschichten Von Brigitta Scherleitner
Schreiben über Kunst ist eine Kunst für sich. In unseren Themen-Specials zur Kunst lernen Sie neue Zugänge. Hier das Beispiel von Brigitta Scherleitner.
Brigitta Scherleitner ist bildende Künstlerin und Autorin. Sie lebt in München und sagt über den Kurs Kunst-Geschichten“, der früher „Bild.Sehen.Verstehen“ hieß: „Ich habe enorm viel gelernt und die Kenntnisse der Akademie aufstocken können, wobei die literarische Beschäftigung mit der Kunst etwas ganz Besonderes war. Sie regte die Fantasie an und machte mächtig Freude. „
Die Themen-Specials Kunst-Geschichten1 und Kunst-Geschichten2 bringen Sie zu neuem Schreiben über Kunst. Bei Interesse schreib uns bitte eine Mail.
Your turn!
Zwei Stunden! Und immer noch saß sie im Warteraum des Internisten! Susanne hatte schon alles gelesen, was für sie interessant war und begann wieder mit einem der aufliegenden ART Magazine.
Dieses Bild hier ist mir vorher nicht aufgefallen, habe ich das überblättert? , fragte sie sich. Es zeigte einen sehr hohen, schmalen Raum im dämmerigen Blau.
Parallel zur Fensterfront an beiden Seiten waren Einzelsitze in Längsreihe angeordnet, dazwischen befand sich ein Mittelgang. Susanne ging auf ihm in Gedanken nach vorne, bis zu dieser eigenartig marmorierten Stirnwand. War das eine Tür? Den Umrisslinien nach, schon, nur gab es keine Klinke. Vielleicht kann man die Tür nur von der anderen Seite des Raumes öffnen oder es gibt einen versteckten Mechanismus?, dachte Susanne und fröstelte.
Fisch beschäftigt viele Menschen. Manche machen daraus Kunst, wie Paul Klee – oder Maria Unger. Dieser Text entstand in dem Themen-Special KunstGeschichten 2 – und es handelt sich um Satire (dies nur vorweg)
Rede des Vorsitzenden des Vereins der Nordseefischer
Werte Kollegen!
Als Obmann der Helgoländer Hochseefischer begrüße ich Sie herzlich zu unserer Jahrestagung der Nordseefischer. Besonders begrüße ich die Sponsoren dieser Jahrestagung und unseres Begleithefts „Der Fisch – gestern, heute und morgen“, Herrn Dr. Jakobsen und Herrn Lührsen von der Firma Eglo Fresh Fish.