Intermezzo

Intermezzo – eine Kurzgeschichte von Sarah Keschke

Intermezzo ist im Kurs „Kreatives Schreiben“ entstanden. Für die Aufgabe gab es eine Reihe von Wörtern, die in eine Geschichte eingebaut werden sollten. Zwei dieser Wörter – Leguan und vespern – bereiteten mir zunächst einiges Kopfzerbrechen. Was in aller Welt sollte ich damit bloß anfangen?! Dann jedoch formten sich erste Ideen für ein Handlungsgerüst in meinem Kopf, und plötzlich ließ sich alles wunderbar verwursten.

Sarah Keschke kommt aus Deutschland und lebt seit vielen Jahren in Schottland

Intermezzo

Intermezzo

Corinna steuerte ihren Wagen die Landstraße entlang. Bis zum Wochenendhaus waren es noch etwa zwanzig Minuten. Eigentlich hatte sie überhaupt keine Zeit, das Wochenende dort zu verschwenden. Sie musste noch dringend zwei Klassensätze Mathearbeiten korrigieren; ihre Planungen für die nächste Woche standen auch noch an. Vor dem Einbruch der Kälte sollte sie aber im Wochenendhaus wenigstens noch einmal nach dem Rechten sehen. Na ja, zumindest hatte sie ihre Arbeit hinten im Auto liegen. Vielleicht würde sie trotzdem noch einiges erledigen. Sie seufzte. Die viele Arbeit und der Stress im Beruf wurden einfach nicht weniger. Sie hatte gehofft, dass mit etwas mehr Routine alles besser zu schaffen sein würde. Nun war sie siebenunddreißig Jahre alt, hatte ein knappes Jahrzehnt im Job hinter sich, und es änderte sich nichts. Die Arbeit erschien ihr wie Kaugummi an den Fingern – je mehr sie versuchte, sie loszuwerden, umso mehr blieb sie an ihr kleben. Sie hatte nie das Gefühl, „fertig“ zu sein. Immer fand sich noch etwas, das schon seit Langem darauf wartete, erledigt zu werden. Es war, als ob die Arbeit sich unter ihren Händen vermehrte. Die Instandhaltung des Wochenendhauses kam noch als zusätzliche Belastung hinzu.

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Schreibtisch mit Aussicht

Das große Ich: Die Frauen und das Schreiben

Schreibtisch mit Aussicht: Die Frauen und das Schreiben

Was bedeutet das Schreiben für Frauen?

Der Band „Schreibtisch mit Aussicht“ versammelt Essays von Autorinnen unterschiedlicher Generationen (von Joan Didion, geb. 1934, bis zu Olivia Sudjic, geb. 1988). Ausgehend von Joan Didions berühmtem Essay „Why I write“ thematisieren sie die das große „I“ (Ich), das das Schreiben bedeutet. Didion hat den Titel von George Orwell ausgeliehen und bringt das Schreiben auf die Formel:

In vieler Hinsicht ist das Schreiben der Akt, ich zu sagen“.

Dieser z.T. „aggressive Akt“ der Selbstbehauptung erweist sich für Frauen als mühsam – und vor allem für solche mit Kindern. Buggys, Windeln, Tränen abwischen, Rotz, der aus der Nase läuft … machen den Plan des Einsam-am-Schreibtisch-Sitzens oft einen Strich durch die Rechnung, so dass das Schreiben oft an einem anderen Ort stattfinden muss.

„Seit ich ein Kind habe, kann ich also überall schreiben (in Cafés, an fremden Tischen, abends im Bett, zwischen zwei Terminen). Aber nicht, weil ich das will, sondern weil es nicht anders geht“,

berichtet Antonia Baum, und führt aus, was fast noch schlimmer ist:

„Aber selbst – und das ist das Entscheidende – … bleibt man als Schriftstellerin doch auf den weiblichen Körper zurückgeworfen, weil er ein durch den männlichen Blick fetischiertes Objekt ist, das sich im Akt des Schreibens vermeintlich exponiert.“

Zimmer mit Aussicht“, auf den der Titel anspielt, war ein besonderer Film, heiter, unbeschwert, ein Film, der Freiheit, Leichtigkeit, Liebe und die Überwindung von Klassenschranken assoziierte. Vielleicht war das der Wunsch von Ilka Piepgras, der Herausgeberin der Anthologie „Schreibtisch mit Aussicht“: dem Gefühl der Freiheit beim Schreiben einen Platz zu geben? Auf jeden Fall wollte sie „das klischeehafte Bild der zeitgenössischen Schriftstellerin“ brechen und „ihre Kunst als das zeigen, was sie tatsächlich ist: harte Arbeit.“

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Weihnachten

Überraschung an Weihnachten – Ein Märchen von Ursula Cole

Ursula Coles „Überraschung an Weihnachten“ ist einfach so entstanden. Ursula hat am Corona-Tagebuch teilgenommen und schreibt seither mehr. Sie lebt auf Kreta, kommt aus der Schweiz und hat lange Zeit in England verbracht.

Überraschung an Weihnachten – Ein Märchen   

Es ist der 24. Dezember, Weihnachten. Ich bin mit meiner ständigen Begleiterin, meiner Hündin Athene, alleine zuhause. Vor vielen Jahren habe ich das Thema ‘Weihnachten’ zur Seite gelegt, mich sozusagen von Weihnachten verabschiedet. Ich will nichts mehr damit zu tun haben, denn der ganze Kommerz geht mir unglaublich auf den Wecker. Zudem glaube ich schon lange nicht mehr an den Weihnachtsmann oder an das Christkind. Trotzdem befällt mich jetzt ein immenses Verlassenheitsgefühl, denn alle anderen, die ich kenne, sind mit fieberhaftem Vorbereiten für den Weihnachtsabend beschäftigt. Ich schaue dem Treiben mit einer gewissen Herablassung zu und verweigere weiter die Teilnahme.

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Sohn

Das menschliche Herz hat zwei Kammern – von Simone Grawe

Das menschliche Herz hat zwei Kammern von Simone Grawe beschreibt die außergewöhnliche Situation einer Mutter mit einem psychisch kranken Sohn

Simone Grawe lebte in Bern

Nachtrag aus aktuellem Anlass: Simone Grawe ist am 10. März 2021 in Bern verstorben. Sie war eine wunderbare Frau. Ich werde sie vermissen. Hier die Worte, mit denen sie Ihren Tod angekündigt hat: Früher sagte ich immer. „ich habs doch überlebt“. Vor drei Wochen … fragte der Sohn, „wie hältst du das nur aus?“ ich: „gar nicht. es killt mich.“ stimmt.

Das menschliche Herz hat zwei Kammern: Die eine heisst Glück, die andere Verzweiflung

Es ist gut, zerbrechliche Menschen um sich zu haben, das hilft einem, die Welt besser zu verstehen, obwohl ich nicht immer weiss, was ich mit diesem Verständnis anfangen soll. (Jon Kalman Stefansson)

Ich habe eine Freundin. Die hat einen komischen Sohn.

Dauernd ist sie mit diesem Sohn beschäftigt. Das regt mich auf, ärgert mich, nie hat sie Zeit, und wenn wir uns sehen – selten genug, dann jammert sie über den Sohn oder hat Angst um ihn oder ist völlig verstört, so dass ich sagen möchte: „Jetzt spinnst du aber selber schon, komm’ mal wieder runter.“

Offenbar habe ich es tatsächlich gesagt, denn sie schaut mich an, glotzt eher, dann: „Sorry. Was hast du gesagt?“

Wir sind bei ihr zuhause, eine sehr gemütliche Stube, die passt so gar nicht zu der Aufgeregtheit der Freundin: Sie rennt hin und her:

„Er will keinen Kontakt mehr mit mir. Er wirft mir vor, ich hätte sein Erbe veruntreut, ich lebe doch, ich hab’ doch gar keinen Zugriff zu irgendwelchem Erbe von ihm. Da schau!“, und sie zeigt mir die Postkarte, die sie eben erhalten hat.

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Herz

Die Arbeit am offenen Herzen – von Simone Grawe

„Die Arbeit am offenen Herzen“  von Simone Grawe ist 2005 in Potsdam an einem einzigen Wochenende entstanden.
Aus gegebenem Anlass veröffentlichen wir ihn jetzt hier. Simone Grawe lebt in Bern.
Herz

Die Arbeit am offenen Herzen

Sie stellte ihr Auto rechts an den Strassenrand und blieb sitzen. Den Eingang des Verlagshauses hatte sie im Blick. Sie wusste, sie war viel zu früh. Es war ihr recht, noch Zeit zu haben für sich, Zeit zum Nachdenken. Es fing an zu regnen, und die Scheiben beschlugen sich allmählich. Auch das war ihr recht, so war sie geschützt vor Blicken.

Ohne dass sie es beabsichtigte, zog es sie um Jahre zurück. Um viele Jahre. Sie lächelte und schüttelte gleichzeitig den Kopf: Wie ein Wunderkind war sie behandelt worden, sie, Erika Riemann. Schon in der Volksschule fiel sie auf, sie fiel aber auch sich selber auf. Sie konnte  nicht verstehen, dass ihre Klassenkameraden so lange brauchten, um ein paar Verse auswendig zu lernen. Sie konnte deren Langsamkeit kaum ertragen. Aber auch die Langsamkeit der Lehrer machte ihr Mühe. Sie beklagte sich bitter bei ihrem Vater: „Gibt es nicht noch andere Dinge, die ich lernen kann? Gibt es nicht noch andere Lehrer, die mehr wissen? Ich langweile mich zu Tode in der Schule.“ Der Vater schaute sie verdutzt an, versprach aber, darüber nachzudenken und für zusätzliche Anregungen zu sorgen. Und er hielt Wort. Was er aber auch noch sagte, das fiel ihr jetzt im Auto wieder ein: „Kind, lass dir nicht zu viel anmerken. Bleibe bescheiden.“ Herz

Und sie wiederum hatte diesen Rat beherzigt und nur sich selbst eingestanden, dass sie eben anders war als die anderen. Sie wurde bewundert, neidlos. Für sie war es so in Ordnung.

Sie dachte, es würde immer so weitergehen.

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Schneeflockenmethode

Plotten – aber wie? I: Die Schneeflockenmethode

Plotten – aber wie? I: Die Schneeflockenmethode

Die Schneeflockenmethode ist eine Möglichkeit, zu einem Plot zu kommen. Ein Plot beschreibt die Handlung von Anfang bis zum Ende.

Der Plot ist das Rückgrat des Romans, hat mal jemand gesagt und einen Kurs so genannt.

Was bedeutet das? Wie geht die Schneeflockenmethode?

Dabei ist das Bild „Schneeflocke“ eine Metapher. Die Schneeflocke hat ein Zentrum, aber sie hat auch viele Verästelungen und Spitzen. Sie verbindet sich mit weiteren Schneeflocken zu einem Schneeball. Wird also größer und größer und fester – weiter sollte man über die Metapher nicht nachdenken, denn sonst schmilzt unser schönes Konstrukt wie der Schneemann beim ersten Sonnenschein. Stellen wir uns also einen richtig guten alten Winter vor. Der Schnee liegt die ganze Saison über.

Ich konstruiere nun einen möglichen Roman am Beispiel einer Zeitungsnotiz, die ich als Inspirationsquelle nutze:

Jeffrey Toobin nach Masturbation im Zoom-Call vom New Yorker suspendiert

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Live-Seminare

Live-Seminar: das neue Format bei schreibwerk berlin

Was ist ein Live-Seminar?

Was ist ein Live-Seminar? Das werden sich viele fragen. So ging es mir ja auch, und ich biete schon seit inzwischen elf Jahren Online-Kurse an. Mit denen komme ich ganz gut zurecht: Die TeilnehmerInnen schreiben ihre Texte, darauf erhalten sie eine Antwort, von uns Anregungen, Tipps und Tricks, um diese Texte besser zu machen. Das allerdings geschieht zeitversetzt und schriftlich.

Ein bisschen Technik 

Live-Seminare dagegen  erlauben eine Begegnung, als wäre man miteinander in einem Raum. Man benötigt dazu lediglich ein bisschen Technik und die Lust am Thema. Technik heißt: Sie brauchen eine funktionierende Internetverbindung und einen Computer mit Kamera und Audiofunktion. Wir laden Sie zum Live-Seminar ein und sorgen für den reibungslosen Ablauf.

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Urlaub auf Abwegen

Urlaub auf Abwegen – ein Text aus dem Sommerkurs

Im Sommerkurs „Pack die Badehose ein“ entstanden – neben vielen anderen Texten – auch zwei Krimis. Einer davon ist von Andrea Gärtners „Urlaub auf Abwegen“. Sie lesen hier den ersten Teil und können dann auf der Homepage von Andrea Gärtner weiterlesen.

Urlaub auf Abwegen – von Andrea Gärtner

Erster Teil

Der Feuerschein erhellt die Nacht. In der Ferne heulen Sirenen. Im tanzenden Licht der Flammen steht eine Gestalt in kurzer Hose, die Kapuze des Pullovers über den Kopf gezogen. Barfuß und mit leeren Händen verharrt sie einen Moment regungslos, ehe sie den Parkplatz verlässt, und quer über die Wiese in Richtung Wald davonläuft.

Als die Feuerwehr eintrifft, schlagen die Flammen aus den geborstenen Fenstern des Wohnmobils. Der Gestank von schmelzendem Kunststoff liegt in der Luft. Die Feuerzungen spiegeln sich glänzend in feuchten Spuren auf dem Schotter des Parkplatzes.

„Das ist Blut!“, ruft einer der Feuerwehrmänner. Seine Stimme wird vom Donnern der explodierenden Reifen übertönt.

 

*****

30 Stunden zuvor

 

„Das ist Ole, mein Sohn. Er kommt mit uns.“

Bentje starrte Georg an.

„Sag ‚Hallo‘, Ole!“ Georg zerrte den schlaksigen Jungen mit dem typisch mürrischen Gesichtsausdruck eines Teenagers vor und lächelte Bentje aufmunternd an.

„Tach“, grummelte Ole. Sein Widerwillen war ihm so deutlich anzusehen, wie einem Nudisten, den man in einen Anzug gezwängt hatte.

Bentje, noch immer fassungslos, ließ ihre Reisetasche fallen. Georg griff beherzt zu. „Ole, verstau die doch schonmal im Wohnmobil“, sagte er und schob seinen Sohn mit der Tasche los.

„Ich weiß, das kommt etwas überraschend“, beteuerte er und legte seine Hand auf Bentjes Schulter. „Ich hatte vergessen, dass er diese Woche bei mir ist, bis seine Mutter ihn gestern Abend bei mir abgeliefert hat. Aber vielleicht ist es ja eine gute Gelegenheit, dass ihr euch kennenlernt.“

Bisher hatte Bentje die Unbekümmertheit, mit der Georg dem Leben begegnete, immer bewundert. Jetzt klingelten leise Alarmglocken in ihrem Inneren.

„Wir wollten diesen Ausflug machen, damit wir uns erst einmal besser kennenlernen“, antwortete sie. „Ich habe ja noch nicht einmal gewusst, dass du einen Sohn hast.“

Bentje und Georg waren vor einigen Monaten auf einer Internetplattform miteinander in Kontakt getreten. Die wenigen Treffen, die es bisher im echten Leben gegeben hatte, waren witzig, unterhaltsam und ja, auch befriedigend gewesen. Georg war spontan, impulsiv und beneidenswert lässig. So zumindest hatte Bentje es bisher eingeschätzt. Momentan hielt sie ihn für naiv und unverschämt.

„Ich glaube, das ist keine gute Idee“, sagte sie und zog ihre Schulter unter Georgs Hand fort. „Wir sollten das verschieben und du fährst jetzt mit deinem Sohn alleine.“

„Das kommt überhaupt nicht in Frage“, erwiderte Georg und zog sie mit sich zum Wohnmobil. „Wir haben uns so auf diese Tage gefreut. Und Ole ist eigentlich ganz unkompliziert, wirst schon sehen!“

 

*****

 

 

Ole hatte die Tasche der Trulla in den unteren Stauraum des Wohnmobils geworfen und war eingestiegen. Wo sein Vater diese dummen Gänse immer auftrieb, war ihm ein Rätsel. Wer nur halbwegs bei Verstand war, musste doch sofort merken, was für ein Arsch der war. Alleine diese Nummer jetzt wieder. Darauf zu bestehen, dass er mitfahren solle. Ole fand, er hätte genauso gut zuhause bleiben können. Ja, dann wäre er eben eine Woche allein gewesen. Na und? Er hätte schon nicht die Bude abgefackelt. Aber dass es hier zu dritt in diesem beknackten Camper friedlich zugehen würde, dafür übernahm er keine Garantie.

Er fläzte sich auf einen der hinteren Sitze, setzte seine Kopfhörer auf, zog die Kapuze tief ins Gesicht und rief den Chatroom seines Lieblingsforums auf. Ablenkung konnte er jetzt gut gebrauchen. Und das hatte er rausgehandelt: Wenn er schon mitkam, dann nur, wenn er unbegrenzten Zugang ins Netz hatte.

Als sein Vater und die Trulla endlich einstiegen, war Ole schon mit herold_wolf in ein mitreißendes Gespräch vertieft.

 

*****

 

Georg war zufrieden mit seinen Überredungskünsten. Zwar schmollte Bentje, aber, so wie er sie einschätzte, würde sie das nicht ewig durchhalten und dann könnten sie ein lauschiges Wochenende verleben. Er hatte schon lange davon geträumt, Ole mal mitzunehmen. Vielleicht würde das den Jungen ihm wieder näher bringen. Er hatte das dumpfe Gefühl, dass seine Ex dem Burschen jede Menge Blödsinn erzählt und ihn so bewusst von ihm entfernt hatte. Wie sonst sollte sich Georg das merkwürdige Verhalten seines Sohnes erklären, mit dem er früher durchaus Spaß gehabt hatte.

„Wo sind denn meine Sachen?“, riss Bentje ihn aus seinen Gedanken. Sie sah sich nach Ole um, der nicht reagierte.

„Was brauchst du denn?“, fragte Georg.

„Nichts. Ich will einfach nur wissen, wo meine Sachen sind.“

Georg wedelte mit der Hand zu den rückseitigen Sitzen und erwischte Oles Knie, was der mit einem genervten Schnauben quittierte. Georg patschte ein weiteres Mal hinter sich.

„Was?“, kam es knurrig von Ole, der die Kopfhörer abgenommen hatte. Laute dumpfe Beats waren zu hören.

„Wo hast du Bentjes Sachen gelassen?“, fragte Georg.

„Wo wohl? Im Stauraum.“

Bentje sah Georg fragend an.

„Was, unten drin?“, fragte der seinen Sohn.

„Du hast doch gesagt, ich soll die Tasche da rein tun.“ Ole setzte die Kopfhörer wieder auf und tippte auf seinem Handy herum. Die Musik wurde deutlich hörbar.

Georg fluchte leise vor sich hin.

„Stimmt was nicht?“, fragte Bentje misstrauisch.

„Nein, nein, alles in Ordnung“, beschwichtigte Georg. „Es ist nur so, dass der Stauraum so eine Art Garage ist. Da ist es schon mal dreckig. Naja, und es riecht auch ein bisschen nach Garage. Aber wir müssen sowieso gleich tanken. Wenn wir anhalten, holen wir deine Sachen da unten raus, okay?“ Er schenkte Bentje ein strahlendes Lächeln und tätschelte beruhigend ihr Knie. Sie ließ es geschehen, lächelte aber nicht zurück. Georgs Stimmung sank. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Bisher war es mit Bentje immer unkompliziert gewesen. Es gefiel er, wenn er seine Geschichten zum Besten gab. Sie lachte und ließ sich von ihm gerne mitreißen, mal etwas Neues auszuprobieren. Auch im Bett machte sie eine gute Figur. Dass sie nun derart miesepetrig war, enttäuschte ihn.

Hier lesen Sie den gesamten Krimi

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